Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 29.03.2006, Az. VII ZB 15/06

VII. Zivilsenat | REWIS RS 2006, 4253

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[X.][X.]/06
vom 29. März 2006 in der Zwangsvollstreckungssache

- 2 - Der [X.]. Zivilsenat des [X.] hat am 29. März 2006 durch [X.], [X.], [X.], [X.] und die Richterin [X.] beschlossen: Der Gläubigerin wird wegen Versäumung der Fristen zur [X.] und Begründung der Rechtsbeschwerde Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt. Auf die Rechtsbeschwerde der Gläubigerin wird der Beschluss der 2. Zivilkammer des [X.] i.d.[X.]. vom 4. August 2005 aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Entscheidung an das [X.] zu-rückverwiesen. Gründe: [X.] Die Gläubigerin, ein minderjähriges Kind, betreibt die Zwangsvollstre-ckung aus einem Unterhaltstitel gegen ihren Vater. Sie hat einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss erwirkt, mit dem die Ansprüche des Schuldners gegen den Drittschuldner auf Zahlung von Arbeitseinkommen gepfändet und ihr zur Einziehung überwiesen wurden. 1 - 3 - Das Vollstreckungsgericht hat dem Antrag der Gläubigerin auf [X.] für die Zwangsvollstreckung stattgegeben, den Antrag auf Beiordnung der Rechtsanwältin S. jedoch zurückgewiesen. Die da-gegen eingelegte sofortige Beschwerde hat das [X.] mit am 12. August 2005 zugestelltem Beschluss zurückgewiesen. Der Senat hat der Gläubigerin für die vom Beschwerdegericht zugelassene Rechtsbeschwerde Prozesskos-tenhilfe gewährt und ihr mit Beschluss vom 26. Januar 2006 Rechtsanwalt [X.] zu ihrer Vertretung beigeordnet. Mit der daraufhin am 3. Februar 2006 eingelegten und begründeten Rechtsbeschwerde verfolgt die Gläubigerin unter Stellung eines Wiedereinsetzungsantrags wegen Versäumung der Fristen für die Einlegung und Begründung der Rechtsbeschwerde ihren Antrag auf Beiord-nung von Rechtsanwältin S. weiter. 2 I[X.] 1. Dem fristgerecht gestellten Antrag auf Wiedereinsetzung in den vori-gen Stand war gemäß § 233 ZPO zu entsprechen. Die Gläubigerin war aus [X.] Gründen erst nach Gewährung von Prozesskostenhilfe und Beiord-nung eines bei dem [X.] zugelassenen Rechtsanwalts zur [X.] und Begründung der Rechtsbeschwerde in der Lage. Die Versäumung dieser Fristen war damit unverschuldet. 3 2. Die zulässige Rechtsbeschwerde hat Erfolg. Sie führt zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht. 4 - 4 - a) Das [X.] nimmt an, die Beiordnung eines Rechtsanwalts sei nicht im Sinne des § 121 Abs. 2 ZPO erforderlich, da die Gläubigerin die [X.] in Anspruch nehmen könne. 5 6 b) Dies hält der rechtlichen Nachprüfung nicht stand. 7 aa) Gemäß § 121 Abs. 2 ZPO wird, wenn eine Vertretung durch Anwälte nicht vorgeschrieben ist, einer [X.] auf ihren Antrag hin ein zur Vertretung bereiter Rechtsanwalt ihrer Wahl beigeordnet, wenn die Vertretung durch einen Rechtsanwalt erforderlich erscheint. Nach der Rechtsprechung des Bundesge-richtshofs (Beschlüsse vom 18. Juli 2003 - [X.], NJW 2003, 3136; vom 25. September 2003 - [X.], [X.], 1921 und vom 30. Januar 2004 - [X.], [X.], 789) darf dem Gläubiger für die Lohnpfändung bzw. die erweiterte Pfändung von Arbeitslohn wegen Unterhalts die Beiordnung eines Rechtsanwalts nicht ohne Prüfung des Einzelfalls versagt werden. Eine solche Einzelfallprüfung hat das Beschwerdegericht nicht sachge-mäß vorgenommen. Es hat die Gläubigerin vielmehr rechtsfehlerhaft allgemein auf die Beistandschaft gemäß § 1712 BGB verwiesen. 8 [X.]) Der Senat hat nach Erlass des angefochtenen Beschlusses am 20. Dezember 2005 ([X.] ZB 94/05, zur [X.] bestimmt; in juris do-kumentiert) entschieden, dass die Möglichkeit, die Beistandschaft des [X.] für die Vollstreckung eines Unterhaltstitels zu beantragen, die Beiord-nung eines Rechtsanwalts im Zwangsvollstreckungsverfahren nicht ersetzt. Hieran hält der Senat fest. 9 cc) Die Beschwerdeentscheidung war daher aufzuheben und die Sache an das [X.] zurückzuverweisen. 10 - 5 - Für das weitere Verfahren weist der Senat darauf hin, dass bei der [X.] vorzunehmenden Einzelfallprüfung zu beachten ist, dass die rechtlichen Schwierigkeiten bei der Pfändung aus einem Unterhaltstitel wegen der Rege-lung des § 850 d ZPO es in der Regel geboten erscheinen lassen, einen Rechtsanwalt beizuordnen (vgl. [X.], Beschluss vom 25. September 2003 - [X.], [X.], 1921). 11 Dressler [X.] Kuffer [X.] [X.] Vorinstanzen: [X.], Entscheidung vom 25.07.2005 - 1 M 1856/05 - [X.] i.d. OPf., Entscheidung vom 04.08.2005 - 2 T 118/05 -

Meta

VII ZB 15/06

29.03.2006

Bundesgerichtshof VII. Zivilsenat

Sachgebiet: ZB

Zitier­vorschlag: Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 29.03.2006, Az. VII ZB 15/06 (REWIS RS 2006, 4253)

Papier­fundstellen: REWIS RS 2006, 4253

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