Bundesgerichtshof, Urteil vom 18.02.2010, Az. III ZR 295/09

3. Zivilsenat | REWIS RS 2010, 9224

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Gegenstand

Bodenschutzrecht: Ausgleichsanspruch mehrerer Verpflichteter bei Vorrang der Bestimmungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes; Voraussetzungen einer schädlichen Bodenveränderung; Begriff der Altlast; ordnungsrechtliche Inanspruchnahme des Eigentümers bei Zwangsverwaltung


Leitsatz

1. Zu den Voraussetzungen eines Ausgleichsanspruchs nach § 24 Abs. 2 BBodSchG. Eine analoge Anwendung dieser Vorschrift kommt auch dann nicht in Betracht, wenn eine Inanspruchnahme des Störers nach Maßgabe des Bundes-Bodenschutzgesetzes nur deshalb ausscheidet, weil gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 11 BBodSchG die Bestimmungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes vorrangig sind. Erst recht lässt sich diese Vorschrift nicht als Maßstab eines allgemeinen Ausgleichs zwischen mehreren Störern im Sinne des Ordnungsrechts heranziehen .

2. Zur Abgrenzung der Anwendungsbereiche des Bundes-Bodenschutzgesetzes und des Bundes-Immissionsschutzgesetzes .

3. Eine schädliche Bodenveränderung im Sinne des § 2 Abs. 3 BBodSchG liegt nur vor, wenn eine physikalische, chemische oder biologische Veränderung der Beschaffenheit des Bodens eingetreten ist. Allein die Gefahr einer Veränderung ist nicht ausreichend .

4. Zu den Voraussetzungen einer Altlast im Sinne des § 2 Abs. 5 BBodSchG .

5. Solange für ein Grundstück die Zwangsverwaltung angeordnet ist, kommt eine ordnungsrechtliche Inanspruchnahme des Eigentümers als Zustandsstörer nach § 11 Abs. 2 ThürOBG regelmäßig nicht in Betracht .

Tenor

Auf die Revision der Beklagten zu 1 und 2 wird das Urteil des [X.] in [X.] vom 22. Oktober 2008 aufgehoben.

Auf die Berufung des Beklagten zu 1 wird das Urteil des [X.] vom 12. März 2008 teilweise abgeändert und die gegen ihn gerichtete Klage abgewiesen.

Der Kläger hat die außergerichtlichen Kosten des Beklagten zu 1 zu tragen.

Im Übrigen wird die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des [X.], an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

1

Die Parteien streiten um die Erstattung von Kosten für die Beseitigung von Reststoffen, die sich auf dem Grundstück des [X.] zu 1 befanden, das die Beklagte zu 2 zuvor vom [X.] zu 1 gemietet hatte und das der Zwangsverwaltung mit dem Kläger als Zwangsverwalter unterlag.

2

Die Beklagte zu 2 hatte auf dem vom [X.] zu 1 gemieteten Grundstück eine Abfallrecyclinganlage betrieben. Der Kläger beendete das Mietverhältnis mit der [X.] zu 2. Beide Parteien schlossen einen Vergleich, nach dem das Grundstück von der [X.] zu 2 Ende August 2006 geräumt herausgegeben werden musste.

3

Da der Kläger das Grundstück bereits ab 1. September 2006 an eine neue Mieterin vermietet hatte und eine vollständige Räumung seitens der [X.] zu 2 nicht erfolgt war, ließ er am 7. September 2006 das Grundstück zwangsräumen. Auch danach waren auf dem Grundstück noch Reststoffe verblieben. Im Oktober 2006 wies das [X.] den Kläger darauf hin, dass die Lagerung von ca. 400 t (700 m

4

Mit der Beseitigung dieser Abfälle beauftragte der Kläger die neue Mieterin, die ihm für ihre Leistungen die Klagesumme einschließlich der darin enthaltenen Umsatzsteuer in Höhe von 100.955,60 € in Rechnung stellte. Nachdem der Kläger einen entsprechenden Vorschuss von dem die Zwangsvollstreckung in das Grundstück betreibenden Gläubiger angefordert und erhalten hatte, zahlte der Kläger den Rechnungsbetrag, dessen Erstattung er von den [X.] zu 1 und 2 verlangt.

5

[X.] hat gegen die [X.] zu 1 und 2 vor dem [X.] Erfolg gehabt. Die gegen die Beklagte zu 3 - eine frühere Mieterin - erhobene Klage ist abgewiesen worden. Die Berufung der [X.] zu 1 und 2 hat keinen Erfolg gehabt.

6

Mit ihrer vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgen die [X.] zu 1 und 2 ihren Klageabweisungsantrag weiter.

Entscheidungsgründe

7

Die Revision hat Erfolg.

I.

8

Das Berufungsgericht ([X.]. 2009, 126) hat die gegen die [X.] zu 1 und 2 geltend gemachten Zahlungsansprüche für begründet erachtet und als Anspruchsgrundlage dafür § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.] herangezogen. Sowohl der Kläger als auch beide [X.] seien Verpflichtete nach dem [X.]. Die von der [X.] zu 2 betriebene Abfallbeseitigungsanlage habe eine Altlast dargestellt. Die vom [X.] zu 2 hinterlassenen Abfälle seien nach § 7 [X.] zu beseitigen gewesen. Die Beweisaufnahme habe im Übrigen ergeben, dass 460 t Abfall - wie abgerechnet - entsorgt worden seien. Die Entsorgungskosten seien auch üblich und angemessen und dem Kläger stehe auch die in den Rechnungen enthaltene Mehrwertsteuer zu.

II.

9

Das Berufungsurteil hält der rechtlichen Nachprüfung nicht stand.

1. Revision der [X.] zu 2

Die Revision der [X.] zu 2 ist begründet und führt insoweit zur Aufhebung des Berufungsurteils und Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht, da die Sache noch nicht zur Endentscheidung reif ist.

a) Die Auffassung des Berufungsgerichts, die Beklagte zu 2 sei nach § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.] zur Zahlung des Klagebetrages verpflichtet, trifft nicht zu. Nach § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.] haben mehrere Verpflichtete untereinander unabhängig von ihrer Heranziehung einen Ausgleichsanspruch, der sich mangels anderweitiger Vereinbarung danach bemisst, inwieweit die Gefahr oder der Schaden vorwiegend von dem einen oder anderen Teil verursacht wurde.

Im Gegensatz zur Ansicht des Berufungsgerichts ist die Beklagte zu 2 nicht Verpflichtete im Sinne des § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.].

aa) Eine Verpflichtung zur Gefahrenabwehr ergibt sich für die Beklagte zu 2 nicht aus § 4 Abs. 3 Satz 1 [X.]. Danach hat der Verursacher einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast den Boden und Altlasten sowie durch die schädlichen Bodenveränderungen oder durch Altlasten verursachte Verunreinigung von Gewässern zu sanieren, so dass dauerhaft keine Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit entstehen.

(1) Im vorliegenden Fall kann aufgrund der Feststellungen des Berufungsgerichts nicht davon ausgegangen werden, dass eine schädliche Bodenveränderung verursacht wurde. Nach § 2 Abs. 3 [X.] sind schädliche Bodenveränderungen im Sinne des Gesetzes Beeinträchtigungen der Bodenfunktion, die geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit herbeizuführen. Eine physikalische, chemische oder biologische Veränderung der Beschaffenheit des Bodens muss jedoch bereits eingetreten sein (BT-Drucks. 13/6701, [X.]; [X.] in: [X.]/[X.], [X.], 2. Aufl., § 4 Rn. 77; [X.], [X.], 4. Aufl., § 2 Rn. 12). Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts lagerten zwar Abfälle auf dem Grundstück und es bestand die Gefahr, dass durch den Einfluss der Witterung mit Polyoxymethylen verunreinigter Staub in den Boden hätte gelangen können. Das Berufungsgericht stellt damit jedoch nur die Gefahr von Bodenveränderungen fest, nicht jedoch, dass solche bereits eingetreten sind, was jedoch Voraussetzung für eine Inanspruchnahme der [X.] zu 2 unter dem Blickwinkel der Verursachung einer schädlichen Bodenveränderung ist.

(2) Eine Verpflichtung des [X.] zu 2 als Verursacher einer Altlast scheidet ebenfalls aus, da aufgrund der Feststellungen des Berufungsgerichts die Voraussetzungen einer Altlast nach § 2 Abs. 5 Nr. 1 [X.] nicht vorliegen.

(a) Eine Altlast nach § 2 Abs. 5 Nr. 1 1. Alternative [X.] kommt nicht in Betracht, weil hier keine stillgelegte Abfallbeseitigungsanlage vorliegt. Zutreffend geht das Berufungsgericht davon aus, dass auch eine Abfallverwertungsanlage, wie sie hier betrieben wurde, zu den [X.] im Sinne des Gesetzes gehört (vgl. [X.]/[X.] in: [X.]/[X.] aaO, § 2 Rn. 60). [X.] im Sinne des Gesetzes ist jedoch eine solche Anlage frühestens mit der Beendigung aller Stilllegungsmaßnahmen (vgl. [X.]/[X.] aaO Rn. 61; Sanden in: Sanden/[X.], [X.], § 2 Rn. 74). Da vorliegend die Abfallverwertungsanlage nach wie vor betrieben wurde, wenn auch durch den neuen Mieter, so war die Anlage damit nicht stillgelegt und stellte auch keine Altlast im Sinne des § 2 Abs. 5 Nr. 1 1. Alternative [X.] dar.

(b) Eine Altlast liegt aber auch nicht nach § 2 Abs. 5 Nr. 1 2. Alternative [X.] vor. Bei dem Grundstück des [X.] zu 1 handelte es sich nicht um ein sonstiges Grundstück, auf dem Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden waren.

Voraussetzung ist auch insoweit, dass es sich nicht um ein Grundstück einer noch im Betrieb befindlichen Abfallbeseitigungsanlage handelt (vgl. BT-Drucks. 13/6701 [X.]; [X.], aaO § 2 Rn 26; [X.]/[X.], Bodenschutzrecht, 2001, Rn. 210). Im vorliegenden Fall lagerten die Reststoffe der [X.] zu 2 auf dem Betriebsgelände der Abfallverwertungsanlage und nicht außerhalb. Gegenteiliges ist weder vorgetragen noch vom Berufungsgericht festgestellt worden. Da die Anlage durch den neuen Mieter weiterbetrieben wurde und noch nicht stillgelegt worden war, handelt es sich bei den Ablagerungen nicht um solche auf einem sonstigen Grundstück im Sinne des § 2 Abs. 5 Nr. 1 2. Alternative [X.].

Unerheblich ist insoweit, ob die neue Mieterin die Abfallbeseitigung in der Anlage umgestellt hatte und ob es sich bei den beseitigten Reststoffen um solche handelte, die ausschließlich im Rahmen der Betriebsabläufe der Vormieterin entstanden sein konnten oder nur für Zwecke der Vormieterin benötigt wurden. Der Betrieb einer Anlage gilt nur dann als stillgelegt, wenn die Produktion völlig eingestellt wird; kein Fall der Stilllegung liegt dagegen vor, wenn nach einer Produktionsänderung lediglich in einer neuen Variante produziert wird. Im Falle einer weiteren Fortführung kommt eine Stilllegung nur dann in Betracht, wenn sich der Betrieb als ein aliud darstellt (vgl. Sanden aaO § 2 Rn. 74; [X.] VerwArch 1997, 456, 459). Solches ist weder vom Berufungsgericht festgestellt noch von den Parteien vorgetragen worden.

(3) Eine Altlast kann auch nicht nach § 2 Abs. 5 Nr. 2 [X.] in Form eines Altstandortes bejaht werden. Ein Altstandort liegt nach der Vorschrift bei Grundstücken stillgelegter Anlagen oder bei sonstigen Grundstücken vor, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist. Insoweit scheiden ebenfalls Grundstücke aus, die - wie hier - zu noch im Betrieb befindlichen Anlagen gehören (BT-Drucks. 13/6701 [X.]; [X.] aaO § 2 Rn. 29).

bb) Die Beklagte zu 2 ist auch nicht Verpflichtete im Sinne des § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.], weil sie vorsorgepflichtig nach § 7 Abs. 1 Satz 1 [X.] war. Die entgegenstehende Annahme des Berufungsgerichts hält der rechtlichen Nachprüfung ebenfalls nicht stand.

Gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 11 [X.] ist die Vorschrift im vorliegenden Fall nicht auf die Beklagte zu 2 anzuwenden. Nach § 3 Abs. 1 Nr. 11 [X.] findet das [X.] auf schädliche Bodenveränderungen und Altlasten nur dann Anwendung, wenn die Vorschriften des [X.] und der aufgrund dieses Gesetzes erlassenen Rechtsverordnungen über die Errichtung und den Betrieb von Anlagen unter Berücksichtigung von Absatz 3 des § 3 [X.] Einwirkungen auf den Boden nicht regeln.

Eine die Vorschriften des [X.]es verdrängende Spezialregelung ist hier § 5 Abs. 1 [X.]. Nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 [X.] sind genehmigungsbedürftige Anlagen so zu errichten und zu betreiben, dass schädliche [X.]en und sonstige Gefahren, erhebliche Nachteile und erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit und die Nachbarschaft nicht hervorgerufen werden können. Der Anwendungsbereich der Vorschrift ist im vorliegenden Fall erfüllt.

(1) Die Errichtung und der Betrieb der vorliegenden Abfallverwertungsanlage bedurfte der Genehmigung nach § 4 Abs. 1 [X.]. Dies wird von den [X.] unwidersprochen vorgetragen und ergibt sich im Übrigen auch aus dem (Anhörungs-)Schreiben des Umweltamts S. vom 23. Oktober 2006, in dem auf den Genehmigungsbescheid für die Anlage Bezug genommen wird.

(2) Die vom Berufungsgericht festgestellten Gefahren - der Eintrag von Schadstoffen in den Boden durch Witterungseinflüsse und insbesondere Regen - werden auch von der Sache her von § 5 Abs. 1 Nr. 1 [X.] erfasst. Die Schutzpflicht bezieht sich auch im gewissen Umfang auf schädliche [X.]en in der Zukunft und dient damit auch der vorbeugenden Gefahrenabwehr (vgl. BVerwGE 119, 329, 332 f; [X.], [X.], 7. Aufl., § 5 Rn. 14).

(3) Bodenveränderungen, deren Eintritt das Berufungsgericht für die Zukunft als möglich angesehen hat, stellen gemäß § 3 Abs. 3 Satz 1 [X.] schädliche [X.]en nach § 3 Abs. 1, § 5 Abs. 1 Nr. 1 [X.] dar, soweit sie durch Immissionen verursacht werden. Die Voraussetzung einer Immission ist dabei erfüllt, wenn die Schadstoffe durch ablaufendes Niederschlagswasser in den Boden eingetragen werden und dort die schädliche Bodenveränderung herbeiführen (vgl. [X.] in: [X.]/[X.], Umweltrecht [Stand: Mai 2003] § 5 [X.] Rn. 75; [X.], [X.] [Stand: November 2004] § 5 Rn. 48). Von einer derartigen Gefahrenlage ist das Berufungsgericht ausgegangen.

(4) Räumlich wird die [X.] auf den Boden im Einwirkungsbereich der Anlage von § 5 Abs. 1 [X.] erfasst (vgl. [X.] aaO Rn. 74). Eine darüber hinaus gehende Umweltbeeinträchtigung ist weder vorgetragen noch vom Berufungsgericht festgestellt worden.

cc) Eine Verpflichtung der [X.] im Sinne des § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.] ergibt sich auch nicht aus § 4 Abs. 1 [X.]. § 3 Abs. 1 Nr. 11 [X.] steht auch der Anwendung dieser Vorschrift entgegen. Die Vorschrift entspricht dem [X.] aus § 5 Abs. 1 Nr. 1 und 2 [X.] (vgl. [X.] aaO § 4 Rn. 7; [X.] in: [X.]/[X.] aaO [Stand: März 2001] § 4 [X.] Rn. 4).

b) Der geltend gemachte Anspruch des [X.] kann auch nicht auf eine analoge Anwendung des § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.] gestützt werden.

Eine solche analoge Anwendung wird in der Literatur vor allem dann für möglich gehalten, wenn die Inanspruchnahme des ordnungsrechtlichen Störers wegen § 3 Abs. 1 Nr. 11 [X.] nicht auf die Vorschriften des [X.]es gestützt werden kann, sondern insbesondere auf § 5 Abs. 1 [X.] (vgl. [X.] 2003, 841, 843).

Eine solche analoge Anwendung scheidet jedoch aus. Bereits der Wortlaut des § 3 Abs. 1 Nr. 11 [X.] schließt die Anwendung des gesamten [X.]es und damit auch dessen § 24 ausdrücklich aus. Darüber hinaus ist zu beachten, dass es keinen allgemeinen Rechtsgrundsatz des öffentlichen Rechts gibt, wonach ein Ausgleich zwischen mehreren Störern im Sinne des [X.] stattzufinden hat (vgl. [X.]surteil vom 11. Juni 1981 - [X.] - NJW 1981, 2457, 2458; [X.], 354, 360). Vielmehr hat der Gesetzgeber mit § 24 Abs. 2 [X.] auf die ständige Rechtsprechung des [X.] reagiert, wonach gesetzliche Ausgleichsansprüche zwischen mehreren Störern nicht auf eine analoge Anwendung des § 426 BGB gestützt werden können (vgl. [X.]surteil vom 11. Juni 1981 - [X.] - NJW 1981, 2457, 2458; [X.], 354, 360; [X.], Urteil vom 26. September 2006 - [X.] - NJW 2006, 3628, 3631 m.w.N.; siehe auch [X.] NVwZ 1998, 786, 796). Dass der Gesetzgeber selbst davon ausging, mit § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.] nur eine auf den Anwendungsbereich des [X.]es beschränkte Sonderregelung geschaffen zu haben, zeigt auch der Umstand, dass er in § 9 Abs. 2 des (auf den vorliegenden Sachverhalt noch nicht anwendbaren) [X.] (USchadG) vom 10. Mai 2007 ([X.]) eine eigenständige Ausgleichsregelung für erforderlich gehalten hat. Die Begründung zum Entwurf des [X.] lässt erkennen, dass dem Gesetzgeber zwar die Vorschrift des § 24 Abs. 2 [X.] vor Augen gestanden hat, er aber gleichwohl einen Regelungsbedarf gesehen und diesen nicht etwa deshalb in Frage gestellt hat, weil eine - unmittelbare oder entsprechende - Anwendung des § 24 [X.] in Betracht komme (vgl. BT-Drucks. 16/3806 S. 26 f). In diesem Zusammenhang fällt ins Gewicht, dass das Umweltschadensgesetz, was Anwendungsbereich und Regelungszweck angeht, dem [X.] jedenfalls nicht ferner steht als das [X.].

c) Ob dem Kläger aus anderen Gründen der geltend gemachte Anspruch zustehen kann, hat das Berufungsgericht von seinem Rechtsstandpunkt aus folgerichtig nicht geprüft. Da hierzu weitere Feststellungen zu treffen sind, ist dem [X.] eine abschließende Entscheidung in der Sache nicht möglich.

Bei der neuen Verhandlung und Entscheidung wird insbesondere ein Anspruch auf Schadensersatz nach §§ 280, 281, 546 BGB in Betracht zu ziehen sein. Die der [X.] zu 2 obliegende Pflicht, das Betriebsgrundstück nach dem Ende des Mietverhältnisses zu räumen, umfasste auch die Verpflichtung, etwaige noch auf dem Grundstück befindliche Reststoffe zu beseitigen. Ob dieser Anspruch scheitert, weil nach dem bisherigen Sachvortrag der Parteien die nach § 281 Abs. 1 Satz 1 BGB erforderliche Fristsetzung zur Erfüllung der Leistung durch den Kläger nicht erfolgt ist, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden. Eine solche Fristsetzung wäre nach § 281 Abs. 2 BGB entbehrlich gewesen, wenn die Beklagte zu 2 die Erfüllung ihrer [X.] ernsthaft und endgültig verweigert hätte. An eine solche Weigerung sind zwar im Allgemeinen strenge Anforderungen zu stellen, die nur erfüllt sind, wenn der Schuldner eindeutig zum Ausdruck bringt, er werde seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, und es damit ausgeschlossen erscheint, dass er sich durch eine Aufforderung zur Leistung umstimmen ließe ([X.], Urteil vom 17. Oktober 2008 - [X.] - NJW 2009, 1813, 1816 Rn. 29 m.w.N.). Bei Mietverhältnissen nimmt der [X.] jedoch eine derartige ernsthafte und endgültige [X.] bereits dann an, wenn der Mieter ohne die Vornahme der geschuldeten Instandsetzung auszieht und auch keine Anstalten für die Vorbereitung oder Ausführung der erforderlichen Maßnahmen getroffen hat (vgl. [X.], Urteile vom 19. November 1997 - [X.] - NJW 1998, 1303, 1304; vom 10. Juli 1991 - [X.] - NJW 1991, 2416, 2417; [X.]Z 49, 56, 59 f jeweils für die Durchführung von Schönheitsreparaturen nach [X.]). Die Parteien haben im weiteren Verfahren Gelegenheit, zu diesem Punkt ergänzend vorzutragen.

Das Berufungsgericht wird sich im weiteren Verfahren gegebenenfalls auch mit den weiteren [X.] der [X.] zu 2 zur Schadenshöhe auseinanderzusetzen haben, auf die näher einzugehen der [X.] im derzeitigen Verfahrensstadium keine Veranlassung hat.

2. Revision des [X.] zu 1

Die Revision des [X.] zu 1 ist ebenfalls begründet.

a) Die Ausführungen des Berufungsgerichts, auch gegen den [X.] zu 1 bestehe ein Anspruch der Klägerin in Höhe der Klageforderung nach § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.], halten einer rechtlichen Nachprüfung nicht stand.

Die Feststellungen des Berufungsgerichts tragen keine Verurteilung des [X.] zu 1 nach § 24 Abs. 2 Satz 1 [X.] in seiner Eigenschaft als Eigentümer des mit einer nach den Bestimmungen des [X.] genehmigten Anlage bebauten [X.]. Insoweit gilt das oben zu 1 a Gesagte entsprechend. Ergänzend ist zu bemerken, dass der sich aus § 3 Abs. 1 Nr. 11 [X.] ergebende Vorrang der Regelungen des [X.] mit Blick auf den [X.] zu 1 auch nicht deshalb in Frage gestellt ist, weil § 5 Abs. 1 [X.] nur Pflichten für den Anlagenbetreiber und nicht für den davon personenverschiedenen Eigentümer begründet (vgl. [X.], aaO § 5 Rn. 10). Ein Rückgriff auf das [X.] hinsichtlich der in § 7 Satz 1 [X.] zusätzlich genannten Adressaten wie den Grundstückseigentümer kommt nicht in Betracht (vgl. [X.], aaO § 3 Rn. 18; Schäling, Grenzen der Sanierungsverantwortlichkeit nach dem [X.], 2008, [X.], 82; a.A. Nicklas LKV 2000, 376, 379). Auch aus der Gesetzesbegründung ergibt sich kein Anhalt dafür, dass der Gesetzgeber nur hinsichtlich bestimmter Adressaten den Vorrang des [X.] begründen und im Übrigen eine parallele Anwendung des [X.]es und des [X.] ermöglichen wollte. Vielmehr sollten anlagebezogene Anforderungen und die Abwehr schädlicher [X.]en einheitlich im [X.] geregelt sein (BT-Drucks. 13/6701, S. 33).

b) Das Urteil stellt sich auch nicht aus anderen Gründen im Ergebnis als richtig dar.

aa) Ein Anspruch des [X.] gegen den [X.] zu 1 lässt sich nicht auf §§ 683, 677, 670 BGB stützen, weil der Kläger durch die Beseitigung der Reststoffe auf dem Grundstück eine Verpflichtung des [X.] zu 1 als dessen Eigentümer nicht erfüllt hat.

(1) Eine Verpflichtung des [X.] zu 1 zur Abfallbeseitigung ergab sich nicht aus dem [X.], da insoweit die Vorschriften des Bundesimmissionsschutzgesetzes - wie ausgeführt - vorrangig sind.

(2) Eine Verpflichtung zur Beseitigung ergab sich auch nicht aus § 5 Abs. 1 [X.], da sich insoweit nur Pflichten für den Anlagenbetreiber ergeben, nicht jedoch für den davon personenverschiedenen Eigentümer.

(3) Der Kläger hat auch keine Verpflichtung des [X.] zu 1 im Hinblick auf die Gefahrenabwehr nach dem allgemeinen Ordnungsrecht erfüllt.

(a) Eine Verpflichtung des [X.] zu 1 nach § 10 Abs. 1, 3 [X.] scheidet aus. Der Vortrag des [X.] hierzu erschöpft sich in dem Verweis auf die gesellschaftsrechtliche Stellung des [X.] zu 1 als Gesellschafter und zugleich Vorstand der [X.] zu 2 und ist nicht hinreichend, um eine persönliche Inanspruchnahme des [X.] zu 1 als Verursacher einer ordnungsrechtlichen Gefahr im Sinne des § 10 [X.] zu begründen.

(b) Ebenso wenig kommt eine Inanspruchnahme des [X.] zu 1 gemäß § 11 [X.] in Betracht. Nach Absatz 1 dieser Vorschrift sind die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr gegen den Inhaber der tatsächlichen Gewalt zu richten, sofern die Gefahr von einer Sache ausgeht. Gemäß § 11 Abs. 2 [X.] können die Maßnahmen auch gegen den Eigentümer gerichtet werden, es sei denn, der Inhaber der tatsächlichen Gewalt übt diese ohne den Willen des Eigentümers aus.

Im vorliegenden Fall übt der Kläger als Zwangsverwalter die tatsächliche Gewalt ohne den Willen des [X.] zu 1 aus. Diesem ist gemäß § 148 Abs. 2 [X.] die Verwaltung und Nutzung des Grundstücks entzogen. Er kommt deshalb als [X.] während der laufenden Zwangsverwaltung grundsätzlich nicht in Betracht (vgl. [X.], Allgemeines Polizei- und Ordnungsrecht, 14. Aufl., [X.]; [X.]/[X.], Polizei- und Ordnungsbehördengesetz Rheinland-Pfalz, 2000, [X.]; [X.]/[X.]/[X.]/[X.], Gefahrenabwehr, 9. Aufl., 327 f, [X.], Die Verantwortlichkeit für schädliche Bodenveränderungen und Altlasten nach dem [X.], [X.] f).

Ob dies deshalb in Frage zu stellen ist, weil möglicherweise dem [X.] zu 1 mittels einer Duldungsverfügung gegen den Kläger als Zwangsverwalter eine Einwirkung auf sein Grundstück, von dem die Gefahr ausging, hätte aufgegeben werden können (vgl. [X.], Urteil vom 23. Mai 2006 - W 4 K 05.592 - juris Rn. 28 ff für einen besonders gelagerten Einzelfall), kann hier dahinstehen. Solange nicht erkennbar ist, dass die Ordnungsbehörde selbst diesen Weg einschlagen will oder auch nur für gangbar hält, kann derjenige, der tatsächlich in Anspruch genommen wird oder dessen Inanspruchnahme ins Auge gefasst wird, sich unter dem Blickwinkel einer Geschäftsführung ohne Auftrag nicht darauf berufen, dass er eine fremde Verpflichtung durch die Beseitigung der die Gefahr erfüllt hat (vgl. [X.]surteil vom 11. Juni 1981 - [X.] – NJW 1981, 2457, 2458). Im vorliegenden Fall hat das [X.] mit seinem Schreiben vom 23. Oktober 2006 den Kläger angehört und dessen Inanspruchnahme zur Entsorgung der Reststoffe in Aussicht gestellt. Der Anhörung ist nicht zu entnehmen, dass die Behörde beabsichtigte, mit einer Duldungsverfügung gegen den Kläger vorzugehen und dann den [X.] zu 1 als Eigentümer in Anspruch zu nehmen. Es verbleibt deshalb dabei, dass der Kläger zum Zeitpunkt der Beseitigung der Reststoffe keine Verpflichtung des [X.] zu 1 erfüllt hat, so dass unter diesem Gesichtspunkt eine Geschäftsführung ohne Auftrag durch den Kläger nicht in Betracht kommt.

bb) Mangels Befreiung des [X.] zu 1 von einer Verpflichtung im Hinblick auf die Entsorgung der Reststoffe scheiden auch Ansprüche des [X.] gegen ihn aus ungerechtfertigter Bereicherung aus.

c) Hinsichtlich der Revision des [X.] zu 1 kann der [X.] selbst entscheiden, da die Sache zur Endentscheidung reif ist (§ 563 Abs. 3 ZPO).

Schlick                                     Herrmann                                    Wöstmann

                         Hucke                                           [X.]

Meta

III ZR 295/09

18.02.2010

Bundesgerichtshof 3. Zivilsenat

Urteil

Sachgebiet: ZR

vorgehend Thüringer Oberlandesgericht, 22. Oktober 2008, Az: 7 U 316/08, Urteil

§ 2 Abs 3 BBodSchG, § 2 Abs 5 BBodSchG, § 3 Abs 1 Nr 11 BBodSchG, § 4 Abs 1 BBodSchG, § 4 Abs 3 BBodSchG, § 7 S 1 BBodSchG, § 24 Abs 2 BBodSchG, § 3 Abs 1 BImSchG, § 5 Abs 1 BImSchG, § 11 Abs 2 OBG TH

Zitier­vorschlag: Bundesgerichtshof, Urteil vom 18.02.2010, Az. III ZR 295/09 (REWIS RS 2010, 9224)

Papier­fundstellen: REWIS RS 2010, 9224

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Wird zitiert von

III ZR 441/13

III ZR 441/13

III ZR 295/09

27 U 93/19

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