Bundesfinanzhof, Urteil vom 10.04.2014, Az. III R 35/13

3. Senat | REWIS RS 2014, 6386

Tags hinzufügen

Sie können dem Inhalt selbst Schlagworten zuordnen. Geben Sie hierfür jeweils ein Schlagwort ein und drücken danach auf sichern, bevor Sie ggf. ein neues Schlagwort eingeben.

Beispiele: "Befangenheit", "Revision", "Ablehnung eines Richters"

QR-Code

Gegenstand

Kindergeld: Fahrtaufwendungen im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses; Berufsfachschule als regelmäßige Arbeitsstätte; private Lerngemeinschaft keine regelmäßige Arbeitsstätte


Leitsatz

1. Besucht ein Auszubildender im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses, aus dem er Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt, eine Berufsfachschule, deren Träger sein Arbeitgeber ist und die sich auf dem selben Gelände wie der Ausbildungsbetrieb befindet, ist nicht nur der Ausbildungsbetrieb, sondern auch die Berufsfachschule regelmäßige Arbeitsstätte i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 1 EStG in der bis Ende 2013 geltenden Fassung.

2. Besucht ein Auszubildender, der sich in einem Ausbildungsdienstverhältnis befindet, eine private Lerngemeinschaft, die in der Wohnung eines anderen Auszubildenden stattfindet, handelt es sich dabei auch dann nicht um eine regelmäßige Arbeitsstätte des Auszubildenden, wenn sich die Wohnung des anderen Auszubildenden in einem auf dem Betriebsgelände liegenden Wohnheim des Arbeitgebers befindet.

Tatbestand

1

I. Der Kläger und Revisionskläger (Kläger) ist der Vater seiner im Mai 1989 geborenen [X.]ochter ([X.]). [X.] befand sich in der [X.] vom 1. Oktober 2009 bis 30. September 2012 in einem dualen Berufsausbildungsverhältnis. Der praktische [X.]eil der Ausbildung fand in den Räumen des [X.] statt, mit dem der Ausbildungsvertrag geschlossen wurde. Der theoretische [X.]eil der Ausbildung wurde in der Berufsfachschule vermittelt. Diese befindet sich schräg gegenüber den [X.] auf der anderen Seite der Straße in ca. 200 m Entfernung.

2

[X.] bezog im Streitzeitraum Januar bis Dezember 2011 einen Bruttoarbeitslohn in Höhe von 12.368,84 €. Ferner erhielt [X.] steuerfreie Bezüge in Höhe von 284,99 €. Ihre Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung betrugen 2.551,03 €. [X.] fuhr im Streitzeitraum an 143 [X.]agen zum [X.], an 77 [X.]agen zur Berufsfachschule und an 15 [X.]agen zu einer Lerngemeinschaft. Die Lerngemeinschaft wurde im Wohnheim des [X.] durchgeführt, das sich in derselben Straße wie das [X.] befindet. Die Entfernung zwischen der Wohnung der [X.] und allen drei Ausbildungsorten beträgt jeweils 23 km.

3

Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) lehnte den Antrag des [X.] auf Kindergeldfestsetzung für [X.] mit Bescheid vom 5. September 2012 mit der Begründung ab, dass die Einkünfte und Bezüge der [X.] im Jahr 2011 über dem maßgeblichen Grenzbetrag von 8.004 € gelegen hätten. Den hiergegen gerichteten Einspruch wies die Familienkasse mit Einspruchsentscheidung vom 18. September 2012 als unbegründet zurück. Hierbei setzte es die Fahrten zum [X.] und zur Berufsfachschule mit der Entfernungspauschale von 0,30 € an.

4

Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 1599 veröffentlichten Gründen als unbegründet ab.

5

Mit der hiergegen gerichteten Revision rügt der Kläger die Verletzung materiellen Rechts.

6

Der Kläger beantragt sinngemäß, die Familienkasse unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids vom 5. September 2012 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 18. September 2012 und des hierzu ergangenen FG-Urteils zu verpflichten, Kindergeld für seine [X.]ochter für den [X.]raum Januar bis Dezember 2011 festzusetzen.

7

Die Familienkasse beantragt, die Revision zurückzuweisen.

Entscheidungsgründe

8

II. Die Revision ist unbegründet und deshalb zurückzuweisen (§ 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung --[X.]O--). Die Einkünfte und Bezüge der [X.] haben den Jahresgrenzbetrag (§ 32 Abs. 4 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes --EStG-- in der für das Streitjahr 2011 geltenden Fassung) in [X.]öhe von 8.004 € überschritten.

9

Für ein Kind, das das 18., aber noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet hat und sich in Ausbildung befindet, besteht nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG ein Anspruch auf Kindergeld nur, wenn das Kind Einkünfte und Bezüge, die zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung bestimmt oder geeignet sind, von nicht mehr als 8.004 € im Kalenderjahr hat. Der Begriff der Einkünfte entspricht dem in § 2 Abs. 2 EStG gesetzlich definierten Begriff und ist je nach Einkunftsart als Gewinn oder als Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten zu verstehen. Erzielt das Kind Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, sind daher von den Bruttoeinnahmen die Werbungskosten abzuziehen (ständige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteile vom 22. Oktober 2009 III R 101/07, [X.], 200, und vom 20. Dezember 2012 III R 33/12, [X.], 107, [X.], 1035).

a) Zu Recht ist das [X.] davon ausgegangen, dass [X.] im Streitzeitraum Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 Abs. 1 Satz 1 [X.]r. 1 EStG) bezog. [X.]ach der Rechtsprechung des [X.] ([X.]) stellen sowohl Vergütungen aus einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis, welches der Ausbildung des betreffenden Leistungsempfängers dient, als auch Ausbildungsvergütungen aus einem privatrechtlichen Ausbildungsdienstverhältnis steuerrechtlich Arbeitslohn dar (s. im Einzelnen [X.]-Urteil vom 18. Juli 1985 [X.] R 93/80, [X.]E 144, 237, [X.] 1985, 644, m.w.[X.].). [X.] befand sich in einem privatrechtlichen Ausbildungsdienstverhältnis.

b) Werbungskosten i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Aufwendungen, die objektiv durch die berufliche [X.]ätigkeit veranlasst sind und die subjektiv zur Förderung des Berufs getätigt werden. Diese Voraussetzungen können auch bei berufsbezogenen Bildungsmaßnahmen erfüllt sein ([X.]-Urteil vom 27. Oktober 2011 [X.] R 52/10, [X.]E 235, 444, [X.] 2012, 825). Zu den Werbungskosten können auch Fahrtkosten gehören. Sie sind grundsätzlich in tatsächlicher [X.]öhe zu berücksichtigen, soweit der Arbeitnehmer nicht von der in [X.] 9.5 des Amtlichen Lohnsteuerhandbuchs 2011 vorgesehenen Pauschale (0,30 € je Fahrtkilometer) Gebrauch macht. Fahrtkosten sind jedoch nach § 9 Abs. 1 Satz 3 [X.]r. 4 EStG nur nach den Regeln über die Entfernungspauschale zu berücksichtigen, soweit es sich um Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte handelt. In diesem Fall sind pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte grundsätzlich 0,30 € anzusetzen (z.B. [X.]-Urteile vom 9. Februar 2012 [X.] R 44/10, [X.]E 236, 431, [X.], 234, und vom 18. September 2012 [X.] R 65/11, [X.]/[X.]V 2013, 517).

Regelmäßige Arbeitsstätte im Sinne dieser Vorschrift ist (nur) der (ortsgebundene) Mittelpunkt der dauerhaft angelegten beruflichen [X.]ätigkeit des Arbeitnehmers und damit der Ort, an dem der Arbeitnehmer seine aufgrund des Dienstverhältnisses geschuldete Leistung zu erbringen hat ([X.]-Urteil vom 9. Juni 2011 [X.] R 55/10, [X.]E 234, 164, [X.] 2012, 38, m.w.[X.].). Dies ist im Regelfall der Betrieb oder eine Betriebsstätte des Arbeitgebers, der der Arbeitnehmer zugeordnet ist und die er nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen [X.]achhaltigkeit, also fortdauernd und immer wieder aufsucht ([X.]-Urteil in [X.]E 234, 164, [X.] 2012, 38, m.w.[X.]). Eine vom Arbeitnehmer besuchte arbeitgeberfremde Bildungseinrichtung stellt keine regelmäßige Arbeitsstätte in diesem Sinne dar ([X.]-Urteile in [X.]E 236, 431, [X.], 234; vom 9. Februar 2012 [X.] R 42/11, [X.]E 236, 439, [X.], 236; Senatsurteil vom 22. [X.]ovember 2012 III R 64/11, [X.]E 239, 355, [X.], 914). Entsprechend kann auch eine Ausbildungsstätte im Rahmen eines Dienstverhältnisses bei beruflichen Lehrgängen, Ausbildungsverhältnissen, Abordnungen oder Fortbildungsmaßnahmen den Charakter einer regelmäßigen Arbeitsstätte haben, wenn es sich um eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers handelt und der Arbeitnehmer diese dauerhaft, d.h. über einen längeren Zeitraum aufsucht ([X.] in [X.]/ [X.]euer/[X.] --[X.][X.]R--, § 9 EStG Rz 453). Eine andere Beurteilung kommt nur in Betracht, wenn eine berufliche Bildungsmaßnahme außerhalb eines Dienstverhältnisses durchgeführt wird ([X.] in [X.][X.]R, § 9 EStG Rz 453).

c) Im Streitfall ist das [X.] hinsichtlich der Fahrten zwischen der Wohnung der [X.] und dem Ausbildungsbetrieb (Klinikum) zu Recht davon ausgegangen, dass hierfür die Entfernungspauschale anzusetzen ist. Denn der Ausbildungsbetrieb stellt eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers der [X.] dar, der [X.] durch ihren Ausbildungsvertrag zugeordnet war und in der sie über einen längeren Zeitraum --jedenfalls die gesamte Dauer ihres [X.] fortdauernd und immer wieder ihre durch den [X.] geprägte berufliche Leistung gegenüber ihrem Arbeitgeber zu erbringen hatte ([X.]-Urteil in [X.]E 234, 164, [X.] 2012, 38, m.w.[X.].). Die Ausbildung im Klinikum bildete auch [X.] des gesamten Ausbildungsverhältnisses, so dass sich der Ausbildungsbetrieb als ortsgebundener Mittelpunkt der beruflichen [X.]ätigkeit der [X.] darstellte (s. hierzu [X.]-Urteil in [X.]E 234, 164, [X.] 2012, 38, m.w.[X.].).

d) Wie der Senat bereits mit Urteil vom 27. Februar 2014 III R 60/13 (zur amtlichen [X.] bestimmt) entschieden hat, ergibt sich --entgegen der Auffassung des [X.] nichts anderes aus den Urteilen des [X.]. Senats des [X.] vom 16. Januar 2013 [X.] R 14/12 ([X.], 125, [X.], 449) und in [X.]E 236, 431, [X.], [X.] bezeichneten Urteilen lagen Sachverhalte zugrunde, die mit der vorliegend zu entscheidenden Fallkonstellation nicht vergleichbar sind.

aa) Die erstgenannte Entscheidung behandelte [X.] eines Studenten, der ein Fachstudium durchführte, welches zwei praktische Studiensemester in einem Betrieb umfasste. [X.]ier kam der [X.] zu dem Ergebnis, dass die Fahrten zum Betrieb keine solchen zu einer regelmäßigen Arbeitsstätte darstellen, weil die [X.]ochschule während der praktischen Studiensemester wegen des fortbestehenden Studentenstatus Mittelpunkt der [X.]ätigkeit bleibt. Ausdrücklich wies der [X.] darauf hin, dass sich das streitgegenständliche [X.]ochschulstudium von einem herkömmlichen Ausbildungsverhältnis, in dessen Rahmen der Steuerpflichtige bereits Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt, unterscheidet.

bb) In dem zweiten Fall war die Frage zu entscheiden, ob eine Steuerpflichtige, die bereits ein Studium abgeschlossen hatte, Fahrtkosten zur [X.]ochschule, die im Rahmen eines später begonnenen weiteren Studiums angefallen waren, als vorab entstandene Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit geltend machen konnte. Insoweit stellte der [X.] zum einen darauf ab, dass solche außerhalb eines Arbeitsverhältnisses stattfindende Bildungsmaßnahmen regelmäßig vorübergehend und nicht auf Dauer angelegt sind und der Arbeitnehmer typischerweise nicht die Möglichkeit hat, durch die Bildung von Fahrgemeinschaften, die [X.]utzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und ggf. durch eine entsprechende Wohnsitznahme seine [X.] gering zu halten. Zum anderen wies er darauf hin, dass eine regelmäßige Arbeitsstätte i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 [X.]r. 4 EStG nur im Rahmen bezahlter Arbeit in Betracht kommt.

cc) Demgegenüber fand im Streitfall die Ausbildung in einem herkömmlichen Ausbildungsverhältnis statt, in dessen Rahmen [X.] bereits Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielte. Zudem ist ein der betrieblichen Ausbildung dienendes Arbeitsverhältnis --wie das, in dem sich [X.] befand-- auch nicht typischerweise vorübergehend, weil es sich häufig nach Ausbildungsende in einem regulären Arbeitsverhältnis im selben Betrieb fortsetzt.

dd) Im Übrigen hat der [X.]. Senat dem zeitlichen Umfang einer [X.]ätigkeit und dem Umstand, dass es sich um eine befristete [X.]ätigkeit handelt, dann maßgebliche Bedeutung beigemessen, wenn eine Abgrenzung zwischen einer [X.]ätigkeit am bisherigen [X.]ätigkeitsmittelpunkt und einer --insbesondere nach einer Versetzung oder Abordnung stattfindenden-- [X.]ätigkeit an einem neuen [X.]ätigkeitsort vorzunehmen war ([X.]-Urteile vom 8. August 2013 [X.] R 27/12, [X.]/[X.]V 2014, 308; [X.] R 72/12, [X.]E 242, 358, [X.] 2014, 68, und [X.] R 59/12, [X.]E 242, 354, [X.] 2014, 66). Diese Abgrenzung lässt sich hingegen nicht auf die sich hiervon unterscheidende Frage übertragen, ob ein Ausbildungsdienstverhältnis allein deshalb als nicht dauerhaft anzusehen ist, weil es üblicherweise auf zwei bis vier Jahre befristet ist. Der erkennende Senat kann § 9 Abs. 1 Satz 3 [X.]r. 4 EStG in der im Streitzeitraum geltenden Fassung keinen Anhaltspunkt dafür entnehmen, dass ein Auszubildender im Ausbildungsbetrieb nicht seine regelmäßige Arbeitsstätte hat, obwohl er diesem Ausbildungsbetrieb für die gesamte Ausbildungszeit zugewiesen ist, dort für mehrere Jahre immer wieder tätig wird und seine für das Ausbildungsverhältnis zentralen Leistungen erbringt. Auch nach neuem Recht (§ 9 Abs. 4 Satz 3 EStG i.d.[X.] zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts vom 20. Februar 2013, [X.], 285) ist von einer dauerhaften Zuordnung zu einer [X.]ätigkeitsstätte u.a. dann auszugehen, wenn der Arbeitnehmer "für die Dauer des Dienstverhältnisses" an dieser [X.]ätigkeitsstätte tätig werden soll.

e) Zu Recht hat das [X.] auch die Fahrten von der Wohnung der [X.] zur Berufsfachschule mit der Entfernungspauschale angesetzt.

Zum einen stellt die Berufsfachschule eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers der [X.] dar, der [X.] zugeordnet war. Denn nach den Feststellungen des [X.] war der Arbeitgeber der [X.] zugleich der [X.]räger der Berufsfachschule. Insoweit unterscheidet sich der vorliegende Fall von den Fällen, in denen der Auszubildende z.B. neben der Ausbildung bei einem privaten Arbeitgeber eine staatliche Berufsschule zu besuchen hat.

Zum anderen war die Berufsfachschule auch in örtlicher [X.]insicht [X.]eil der regelmäßigen Arbeitsstätte der [X.]. Es entspricht ständiger Rechtsprechung des [X.], dass ein größeres, räumlich geschlossenes Gebiet als regelmäßige Arbeitsstätte i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 [X.]r. 4 EStG in Betracht kommt, wenn es sich um ein zusammenhängendes Gelände des Arbeitgebers handelt, auf dem der Arbeitnehmer auf Dauer und mit einer gewissen [X.]achhaltigkeit tätig wird ([X.]-Urteil vom 18. Juni 2009 [X.] R 61/06, [X.]E 226, 59, [X.] 2010, 564, m.w.[X.].). So liegen die Verhältnisse im Streitfall. Denn die Berufsfachschule befindet sich nach den weiteren Feststellungen des [X.] schräg gegenüber den [X.] auf der anderen Seite der Straße und damit innerhalb des größeren, räumlich geschlossenen Klinikgeländes. Die Berufsfachschule war daher auch keine weitere [X.]ätigkeitsstätte der [X.], sondern zusammen mit der Klinik der ortsgebundene Mittelpunkt ihrer [X.]ätigkeit. Ohne weiteres konnte sich die [X.] daher auch auf die immer gleichen Wege zur praktischen und theoretischen Ausbildung im Klinikgelände einstellen.

f) Zu Unrecht hat das [X.] hingegen die Fahrten von der Wohnung der [X.] zum Wohnheim des [X.] nur mit der Entfernungspauschale angesetzt, denn hierbei handelte es sich um Fahrten zu einer arbeitgeberfremden Bildungseinrichtung.

[X.] nahm in der in dem Wohnheim des [X.] befindlichen Wohnung einer anderen Auszubildenden an einer Lerngemeinschaft teil. [X.]ierbei handelte es sich nicht um eine aufgrund des Dienstverhältnisses geschuldete Leistung in einer arbeitgebereigenen Bildungseinrichtung, sondern um eine --nach den Feststellungen des [X.]-- zwar beruflich veranlasste, aber außerhalb des Dienstverhältnisses durchgeführte Veranstaltung in der privaten Wohnung ihrer Ausbildungskollegin. [X.]ichts anderes ergibt sich daraus, dass sich das Wohnheim ebenfalls auf dem Klinikgelände befindet. Denn für die Qualifizierung als regelmäßige Arbeitsstätte kommt es nicht allein darauf an, dass immer wieder derselbe geographische Ort aufgesucht wird. Vielmehr fordert der Begriff der "Arbeitsstätte" auch, dass es sich bei der an dem betreffenden Ort durchgeführten [X.]ätigkeit um eine im Rahmen des Arbeitsverhältnisses erbrachte Leistung handelt. Die Lerngemeinschaften fanden indessen ohne Aufforderung oder Weisung des Arbeitgebers und damit außerhalb von dessen Direktions- bzw. Zuordnungsrecht statt. Vielmehr konnte [X.] im Rahmen der häuslichen Vor- und [X.]achbereitung des [X.] selbst entscheiden, welche Aufwendungen sie für zweckmäßig erachtete.

g) Da sich auch unter Berücksichtigung einer Verdoppelung der für die private Lerngemeinschaft angesetzten Fahrtkosten (103,50 €) Einkünfte der [X.] (8.300,46 € ./. 103,50 € = 8.196,96 €) ergeben, die den gesetzlichen Grenzbetrag (8.004,00 €) überschreiten, erfolgte die Aufhebung der Kindergeldfestsetzung im Ergebnis zu Recht.

Meta

III R 35/13

10.04.2014

Bundesfinanzhof 3. Senat

Urteil

vorgehend FG Nürnberg, 15. Mai 2013, Az: 3 K 1588/12, Urteil

§ 32 Abs 4 Abs 2 EStG 2009, § 19 Abs 1 S 1 Nr 1 EStG 2009, § 9 Abs 1 S 1 EStG 2009, § 9 Abs 1 S 3 Nr 4 EStG 2009, EStG VZ 2011

Zitier­vorschlag: Bundesfinanzhof, Urteil vom 10.04.2014, Az. III R 35/13 (REWIS RS 2014, 6386)

Papier­fundstellen: REWIS RS 2014, 6386

Auf dem Handy öffnen Auf Mobilgerät öffnen.


Die hier dargestellten Entscheidungen sind möglicherweise nicht rechtskräftig oder wurden bereits in höheren Instanzen abgeändert.

Ähnliche Entscheidungen

III R 60/13 (Bundesfinanzhof)

Kindergeld: Fahrtaufwendungen im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses; Ausbildungsbetrieb als regelmäßige Arbeitsstätte


V R 22/14 (Bundesfinanzhof)

(Werbungskostenabzug bei behaupteter doppelter Haushaltsführung: Prüfung des Vorliegens eines eigenen Hausstandes im elterlichen Haus - …


VI R 65/11 (Bundesfinanzhof)

Kindergeld; regelmäßige Arbeitsstätte


VI R 14/16 (Bundesfinanzhof)

Aufwendungen eines Kundendienstmonteurs für die Wege zwischen seiner Wohnung und dem Betrieb des Arbeitgebers


VI R 54/14 (Bundesfinanzhof)

Regelmäßige Arbeitsstätte in der Probezeit oder bei befristeter Beschäftigung


Referenzen
Wird zitiert von

Keine Referenz gefunden.

Zitiert

Keine Referenz gefunden.

Zitieren mit Quelle:
x

Schnellsuche

Suchen Sie z.B.: "13 BGB" oder "I ZR 228/19". Die Suche ist auf schnelles Navigieren optimiert. Erstes Ergebnis mit Enter aufrufen.
Für die Volltextsuche in Urteilen klicken Sie bitte hier.