VG München: M 13 S 20.5546 vom 31.10.2020

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Gegenstand

Verbot einer Versammlung: Infektionsrisiko


Tenor

I. Der Antrag wird abgelehnt.

II. Der Antragsteller trägt die Kosten des Verfahrens.

III. Der Streitwert wird auf 2.500 Euro festgesetzt.

Entscheidungsgründe

I.

Der Antragsteller wendet sich gegen das Verbot einer für den 1. November 2020 angezeigten Versammlung im Stadtgebiet der Landeshauptstadt München.

Der Antragsteller zeigte am 28. Oktober 2020 für den 1. November 2020 eine sich fortbewegende Versammlung mit Auftaktkundgebung am K.platz in München und Schlusskundgebung auf der Theresienwiese zwischen 13:30 und 15:15 Uhr an. Die Anzahl der gleichzeitig teilnehmenden Personen wurde mit 5.000 angegeben. Der Antragsteller beschrieb das Hygienekonzept zur Versammlung mit den Worten: „Keine Abstände, keine Masken, Sprechchöre erlaubt, Tanzen erlaubt, Umarmungen Fremder erlaubt“. Kooperationsgespräche zwischen dem Antragsteller und der Antragsgegnerin zur Einhaltung von infektionsschutzrechtlichen Vorgaben scheiterten.

Mit Bescheid vom 30. Oktober 2020 untersagte die Antragsgegnerin die Durchführung der angezeigten Versammlung. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Durchführung der angezeigten Versammlung infektionsschutzrechtlich nicht vertretbar wäre. Der Antragsteller habe selbst angegeben, infektionsschutzrechtliche Vorgaben nicht einhalten zu wollen. Bei vergleichbaren Versammlungen der „Querdenken“-Bewegung in den letzten Wochen sei es zu zahlreichen Verstößen gegen die Maskenpflicht, gegen Beschränkungen der Teilnehmerzahl und gegen Mindestabstände gekommen. Da der Antragsteller ausdrücklich angekündigt habe, Verstöße gegen Infektionsschutzregeln als Ausdrucksmittel einsetzen zu wollen, könne die infektionsschutzrechtliche Vertretbarkeit nicht durch die Anordnung von versammlungsrechtlichen Beschränkungen sichergestellt werden. Wegen der Einzelheiten wird auf den Bescheid verwiesen.

Am 31. Oktober 2020 hat der Antragsteller per Telefax, durch ein weiteres Telefax ergänzt hinsichtlich der nicht sichtbaren Tabellen, einen Antrag auf Gewährung einstweiligen Rechtschutzes gestellt. Er beantragt sinngemäß,

die aufschiebende Wirkung der Klage vom 31.10.2020 gegen den Bescheid vom 30. Oktober 2020 anzuordnen sowie der Antragsgegnerin zu untersagen, vor oder während der Versammlung Auflagen zu erlassen, die Teilnehmerinnen oder Teilnehmer dazu verpflichten, Mund-Nasen-Bedeckungen oder ähnliche vermummende Gesichtsbedeckungen zu tragen und Mindestabstände zueinander einzuhalten sowie die Anzahl der zugelassenen Teilnehmerinnen oder Teilnehmer zu beschränken.

Der Antragsteller macht im Wesentlichen geltend, dass die Antragsgegnerin in verfassungswidriger Weise in die Versammlungsfreiheit eingreife. Art. 8 GG dürfe nur bei unmittelbaren Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung beschränkt werden. Eine unmittelbare Gefährdung des Schutzgutes Leben und Gesundheit (Art. 2 Abs. 2 GG) durch das neue Coronavirus (Sars-CoV-2) sei jedoch nicht nachgewiesen. Soweit sich die Antragsgegnerin auf die 7-Tages-Inzidenz von Neuinfektionen im Stadtgebiet Münchens beziehe, könne aus den zugrundeliegenden PCR-Tests nicht zwingend geschlossen werden, dass die getesteten Personen krank oder ansteckend seien. Auch eine Überlastung des Gesundheitssystems sei derzeit nicht festzustellen.

Die Antragsgegnerin beantragt,

den Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung nach § 80 Abs. 5 VwGO abzulehnen.

Zur Begründung wurde auf die Ausführungen im Bescheid vom 30.10.2020 und die vorgelegten Behördenakten verwiesen.

Wegen der weiteren Einzelheiten wird ergänzend auf die Gerichts- und Behördenakten verwiesen.

II.

Der Antrag führt in der Sache nicht zum Erfolg.

Der Antragsteller begehrt im Wege eines Antrags nach § 80 Abs. 5 VwGO die Anordnung der aufschiebenden Wirkung seiner Klage gegen den Bescheid vom 30. Oktober 2020, mit dem ihm die Durchführung der angezeigten Versammlung untersagt wird (1.). Darüber hinaus begehrt er im Wege des Erlasses einer einstweiligen Anordnung der Antragsgegnerin zu untersagen, vor oder während der Versammlung Auflagen zur Verpflichtung des Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung, zur Einhaltung eines Mindestabstandes zu erteilen sowie die Anzahl der zugelassenen Teilnehmerinnen oder Teilnehmer zu beschränken (2.).

1. Der Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung war abzulehnen.

Es ist dem Gericht in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich, die Rechtmäßigkeit des Bescheides umfassend zu bewerten.

Das Gericht entscheidet daher aufgrund einer Interessenabwägung. Die zu treffende Folgenabwägung (vgl. BVerfG, U. v. 20.12.2012 - 1 BvR 2794/10 - juris Rn. 18) führt zu dem Ergebnis, dass die Untersagung der angemeldeten Versammlung das öffentliche Interesse an der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit und das Leben Einzelner (Art. 2 Abs. 2 GG) sowie am Schutz des Gesundheitssystems vor einer Überlastung das Interesse des Antragstellers an der Durchführung der Versammlung (Art. 8 Abs. 1 GG) überwiegt. Dabei berücksichtigt die Kammer, dass Art. 8 Abs. 1 GG das Recht gewährleistet, selbst zu bestimmen, unter welchen Modalitäten eine Versammlung stattfinden soll (vgl. BVerfG, B.v. 14.05.1985 - 1 BvR 233/81 u.a. - juris Rn. 61) und dass die Untersagung der Versammlung grundsätzlich einen schwerwiegenden Eingriff in das Grundrecht der Versammlungsfreiheit darstellt.

Rechtsgrundlage für die Untersagung ist Art. 15 Abs. 1 BayVersG i.V.m. § 7 Abs. 1 Satz 4 der im Zeitpunkt der Durchführung der angemeldeten Versammlung geltenden Siebten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (7. BayIfSMV) vom 01. Oktober 2020 (BayMBl. Nr. 562, BayRS 2126-1-11-G), zuletzt geändert durch § 1 der Verordnung vom 22.10.2020 (BayMBl. Nr. 601). Nach Art. 15 Abs. 1 BayVersG kann die zuständige Behörde eine Versammlung beschränken oder verbieten, wenn nach den zur Zeit des Erlasses der Verfügung erkennbaren Umständen die öffentliche Sicherheit oder Ordnung bei Durchführung der Versammlung unmittelbar gefährdet ist. § 7 Abs. 1 7. BayIfSMV bestimmt für öffentliche Versammlungen im Sinne des Bayerischen Versammlungsgesetzes unter anderem einen Mindestabstand von 1,5 m zwischen allen Teilnehmern (Satz 1) sowie die Pflicht der nach Art. 24 Abs. 2 BayVersG zuständigen Behörden, soweit im Einzelfall erforderlich durch entsprechende Beschränkungen nach Art. 15 BayVersG sicherzustellen, dass die Bestimmungen nach Satz 1 eingehalten werden und die von der Versammlung ausgehenden Infektionsgefahren auch im Übrigen auf ein infektionsschutzrechtlich vertretbares Maß beschränkt bleiben (Satz 2). Jedenfalls ist ab einer Teilnehmerzahl von 200 Personen in der Regel Maskenpflicht anzuordnen (Satz 3). Sofern die Anforderungen nach § 7 Abs. 1 Satz 2 auch durch Beschränkungen nicht sichergestellt werden können, ist gemäß § 7 Abs. 1 Satz 4 7. BayIfSMV die Versammlung zu verbieten. Damit konkretisiert § 7 Abs. 1 7. BayIfSMV die versammlungsrechtliche Befugnisnorm des Art. 15 Abs. 1 BayVersG sowohl auf der Tatbestandswie auch auf der Rechtsfolgenseite im Hinblick auf von Versammlungen unter freiem Himmel ausgehende Gefahren für die Gesundheit und das Leben Einzelner (Art. 2 Abs. 2 GG) sowie den Schutz des Gesundheitssystems vor einer Überlastung (vgl. BVerfG, B.v. 10.04.2020 - 1 BvQ 31/20 - juris Rn. 15; vgl. auch BayVGH, B.v. 11.09.2020 - 10 CS 2064 - Rn. 22; B.v. 12.09.2020 - 10 CS 20.2103).

Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die Begründung des Bescheids der Antragsgegnerin vom 30. Oktober 2020 verwiesen (§ 117 Abs. 5 VwGO).

Ergänzend wird ausgeführt:

Würde die Versammlung nicht wie beantragt durchgeführt, stellte sich im Hauptsacheverfahren jedoch heraus, dass die Untersagung rechtswidrig gewesen wäre, so wäre das gewichtige Grundrecht des Antragstellers auf Versammlungsfreiheit nach Art. 8 Abs. 1 GG verletzt. Würde die Versammlung jedoch wie beantragt durchgeführt, stellte sich im Hauptsacheverfahren jedoch heraus, dass die Untersagung rechtmäßig gewesen wäre, weil die Antragsgegnerin zu Recht eine nicht anders abwendbare unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit bei Durchführung der Versammlung angenommen hätte, so wären grundrechtlich durch Art. 2 Abs. 2 GG geschützte Interessen einer großen Anzahl Dritter von hohem Gewicht betroffen. Vor diesem Hintergrund geht die gebotene Abwägung zum Nachteil des Antragstellers aus.

Im Einzelnen:

Verstöße gegen das Abstandsgebot sowie die Maskenpflicht beeinträchtigen das Schutzgut der öffentlichen Sicherheit. Dies umfasst neben Leben, Gesundheit, Ehre, Freiheit und Vermögen auch im Versammlungsrecht nach traditionellem polizeirechtlichen Verständnis die Unversehrtheit der Rechtsordnung (einschließlich der Vorschriften über die Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehrs) und der staatlichen Einrichtungen (vgl. BVerwG, U. v. 21.4.1989 - 7 C 50.88 - juris Rn. 15 m.w.N; BVerfG, B. v. 14.5.1985 - 1 BvR 233/81, 1 BvR 341/81 - juris Rn. 77).

Wie sich aus der Gefahrenprognose des Polizeipräsidiums München vom 26. Oktober 2020 ergibt, steht die streitgegenständliche Versammlung im Zusammenhang mit dem von der Gruppierung „Querdenken“ für den 01. November 2020 als „Großdemo“ beworbenen Versammlungsgeschehen. Aufgrund der umfangreichen Mobiliserung muss mit einer großen Anzahl von - auch bundesweit anreisenden - Teilnehmern gerechnet werden.

Schon aufgrund der Erfahrungen mit vergangenen, der „Querdenker-Gruppierung“ zuzuordnenden Versammlungen, wie beispielsweise am 12. September 2020 und 23. Oktober 2020 in München sowie am 25. Oktober 2020 in Berlin, bei denen die angeordnete Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung nicht hinreichend beachtet wurde und die aufgrund ihrer Ähnlichkeiten hinsichtlich des Versammlungsthemas, der Örtlichkeiten und des Teilnehmer- und Organisatorenkreises in die Gefahrenprognose einbezogen werden dürfen (vgl. BVerfG, B.v. 4.9.2009 - 1 BvR 2147/09 - NJW 2010, 141), muss damit gerechnet werden, dass auch bei der streitgegenständlichen Versammlung gegen die nach § 7 Abs. 1 7. BayIfSMV bestehenden bzw. festzulegenden Infektionsschutzmaßnahmen, insbesondere die Einhaltung des Mindestabstandes sowie die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, verstoßen würde.

Ein Sicherheits- und Hygienekonzept, mit dem die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen gewährleistet werden kann, hat der Antragsteller nicht vorgelegt. Vielmehr lautet sein Hygienekonzept wörtlich „Keine Abstände, keine Masken, Sprechchöre erlaubt, Tanzen erlaubt, Umarmungen Fremder erlaubt“, wobei er im Rahmen der Anhörung „Singen und Tanzen“ aufgrund des Feiertages herausgenommen hat. Mithin hat der Antragsteller die Nichteinhaltung des Mindestabstands und der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung zum Ausdrucksmittel in Form des Versammlungsprogramms gemacht. Dies lässt den Schluss zu, dass bei Durchführung der Versammlung die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen nicht nur mit großer Wahrscheinlichkeit nicht eingehalten werden, sondern auch gerade nicht eingehalten werden sollen. Aus diesem Grund ist auch nicht damit zu rechnen, dass der Antragsteller als Versammlungsleiter die Einhaltung entsprechender Beschränkungen wirksam durchsetzen würde.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass bei der beantragten, sich fortbewegenden Versammlung mit 5.000 Teilnehmern die Gefahr der Unterschreitung des Mindestabstands bereits aufgrund des dynamischen Geschehens einer sich fortbewegenden Versammlung erhöht ist (vgl. OVG NRW, B.v.24.05.2020 - 15 B 755/20). Die hierdurch entstehende Gefahr eines unkontrollierten Infektionsgeschehens wird weiter potenziert, da wie gezeigt voraussichtlich ein großer Teil der Teilnehmer keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen wird, was die Ansteckungsgefahr, auch für unbeteiligte Dritte, maßgeblich erhöht. Als zusätzlichen Faktor berücksichtigt die Kammer schließlich die derzeit in München extrem volatile Pandemielage mit einer 7-Tage-Inzidenz von 133,20 (31.10.2020, 8:00 Uhr, https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/coronavirus/karte_coronavirus/index.htm#landkreise). Auch wenn sich alleine aus dem 7-Tage-Inzidenzwert noch nicht die erforderliche tatbestandliche unmittelbare Gefährdung bei der Durchführung der streitgegenständlichen Versammlung ergibt, kann er im Rahmen der Gesamtbewertung des Gefahrenpotenzials herangezogen werden (vgl. BayVGH, B.v. 19.09.2020 - 10 CS 20.2130, Rn. 10). Im Übrigen wird auf die infektionsschutzrechtliche Einschätzung des Referats für Umwelt und Gesundheit vom 29.10.2020 verwiesen.

Nach alledem ist es überwiegend wahrscheinlich, dass sich bei der Durchführung der angezeigten Versammlung die Gefahr eines unkontrollierbaren und größeren Infektionsgeschehens irreversibel verwirklicht und damit von der Versammlung eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit und das Leben Einzelner sowie einer größeren Anzahl (auch unbeteiligter) Dritter (Art. 2 Abs. 2 GG) ausgeht.

2. Die unter Ziffer 2, 3 und 4 gestellten Anträge, der Antragsgegnerin zu untersagen, vor oder während der Versammlung Auflagen zur Verpflichtung des Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung und zur Einhaltung eines Mindestabstandes zu erteilen sowie die Anzahl der zugelassenen Teilnehmerinnen oder Teilnehmer zu beschränken, waren ebenfalls abzulehnen. Da bereits der Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung des Verbots der angezeigten Versammlung aufgrund des mit ihr einhergehenden großen Gefahrenpotenzials abzulehnen war, kommt der Erlass einer einstweiligen Anordnung, mit der der Antragsgegnerin für den Fall der Durchführung der Versammlung die Anordnung infektionsschutzrechtlicher Auflagen untersagt werden soll, nicht in Betracht.

3. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 154 Abs. 1 VwGO. Die Streitwertfestsetzung folgt aus § 53 Abs. 2 Nr. 1 und 2, § 52 Abs. 2 GKG.

Datenquelle d. amtl. Textes: Bayern.Recht

Meta

M 13 S 20.5546

31.10.2020

VG München

Entscheidung

Referenzen
Wird zitiert von

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Zitiert

1 BvQ 31/20

1 BvR 2794/10

§ 80 VwGO


(1) 1Widerspruch und Anfechtungsklage haben aufschiebende Wirkung. 2Das gilt auch bei rechtsgestaltenden und feststellenden Verwaltungsakten sowie bei Verwaltungsakten mit Doppelwirkung (§ 80a).

(2) Die aufschiebende Wirkung entfällt nur

1.
bei der Anforderung von öffentlichen Abgaben und Kosten,
2.
bei unaufschiebbaren Anordnungen und Maßnahmen von Polizeivollzugsbeamten,
3.
in anderen durch Bundesgesetz oder für Landesrecht durch Landesgesetz vorgeschriebenen Fällen, insbesondere für Widersprüche und Klagen Dritter gegen Verwaltungsakte, die Investitionen oder die Schaffung von Arbeitsplätzen betreffen,
4.
in den Fällen, in denen die sofortige Vollziehung im öffentlichen Interesse oder im überwiegenden Interesse eines Beteiligten von der Behörde, die den Verwaltungsakt erlassen oder über den Widerspruch zu entscheiden hat, besonders angeordnet wird.
Die Länder können auch bestimmen, daß Rechtsbehelfe keine aufschiebende Wirkung haben, soweit sie sich gegen Maßnahmen richten, die in der Verwaltungsvollstreckung durch die Länder nach Bundesrecht getroffen werden.

(3) 1In den Fällen des Absatzes 2 Nr. 4 ist das besondere Interesse an der sofortigen Vollziehung des Verwaltungsakts schriftlich zu begründen. 2Einer besonderen Begründung bedarf es nicht, wenn die Behörde bei Gefahr im Verzug, insbesondere bei drohenden Nachteilen für Leben, Gesundheit oder Eigentum vorsorglich eine als solche bezeichnete Notstandsmaßnahme im öffentlichen Interesse trifft.

(4) 1Die Behörde, die den Verwaltungsakt erlassen oder über den Widerspruch zu entscheiden hat, kann in den Fällen des Absatzes 2 die Vollziehung aussetzen, soweit nicht bundesgesetzlich etwas anderes bestimmt ist. 2Bei der Anforderung von öffentlichen Abgaben und Kosten kann sie die Vollziehung auch gegen Sicherheit aussetzen. 3Die Aussetzung soll bei öffentlichen Abgaben und Kosten erfolgen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des angegriffenen Verwaltungsakts bestehen oder wenn die Vollziehung für den Abgaben- oder Kostenpflichtigen eine unbillige, nicht durch überwiegende öffentliche Interessen gebotene Härte zur Folge hätte.

(5) 1Auf Antrag kann das Gericht der Hauptsache die aufschiebende Wirkung in den Fällen des Absatzes 2 Nr. 1 bis 3 ganz oder teilweise anordnen, im Falle des Absatzes 2 Nr. 4 ganz oder teilweise wiederherstellen. 2Der Antrag ist schon vor Erhebung der Anfechtungsklage zulässig. 3Ist der Verwaltungsakt im Zeitpunkt der Entscheidung schon vollzogen, so kann das Gericht die Aufhebung der Vollziehung anordnen. 4Die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung kann von der Leistung einer Sicherheit oder von anderen Auflagen abhängig gemacht werden. 5Sie kann auch befristet werden.

(6) In den Fällen des Absatzes 2 Nr. 1 ist der Antrag nach Absatz 5 nur zulässig, wenn die Behörde einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung ganz oder zum Teil abgelehnt hat. Das gilt nicht, wenn

1.
die Behörde über den Antrag ohne Mitteilung eines zureichenden Grundes in angemessener Frist sachlich nicht entschieden hat oder
2.
eine Vollstreckung droht.

(7) 1Das Gericht der Hauptsache kann Beschlüsse über Anträge nach Absatz 5 jederzeit ändern oder aufheben. 2Jeder Beteiligte kann die Änderung oder Aufhebung wegen veränderter oder im ursprünglichen Verfahren ohne Verschulden nicht geltend gemachter Umstände beantragen.

(8) In dringenden Fällen kann der Vorsitzende entscheiden.

§ 117 VwGO


(1) 1Das Urteil ergeht "Im Namen des Volkes". 2Es ist schriftlich abzufassen und von den Richtern, die bei der Entscheidung mitgewirkt haben, zu unterzeichnen. 3Ist ein Richter verhindert, seine Unterschrift beizufügen, so wird dies mit dem Hinderungsgrund vom Vorsitzenden oder, wenn er verhindert ist, vom dienstältesten beisitzenden Richter unter dem Urteil vermerkt. 4Der Unterschrift der ehrenamtlichen Richter bedarf es nicht.

(2) Das Urteil enthält

1.
die Bezeichnung der Beteiligten, ihrer gesetzlichen Vertreter und der Bevollmächtigten nach Namen, Beruf, Wohnort und ihrer Stellung im Verfahren,
2.
die Bezeichnung des Gerichts und die Namen der Mitglieder, die bei der Entscheidung mitgewirkt haben,
3.
die Urteilsformel,
4.
den Tatbestand,
5.
die Entscheidungsgründe,
6.
die Rechtsmittelbelehrung.

(3) 1Im Tatbestand ist der Sach- und Streitstand unter Hervorhebung der gestellten Anträge seinem wesentlichen Inhalt nach gedrängt darzustellen. 2Wegen der Einzelheiten soll auf Schriftsätze, Protokolle und andere Unterlagen verwiesen werden, soweit sich aus ihnen der Sach- und Streitstand ausreichend ergibt.

(4) 1Ein Urteil, das bei der Verkündung noch nicht vollständig abgefaßt war, ist vor Ablauf von zwei Wochen, vom Tag der Verkündung an gerechnet, vollständig abgefaßt der Geschäftsstelle zu übermitteln. 2Kann dies ausnahmsweise nicht geschehen, so ist innerhalb dieser zwei Wochen das von den Richtern unterschriebene Urteil ohne Tatbestand, Entscheidungsgründe und Rechtsmittelbelehrung der Geschäftsstelle zu übermitteln; Tatbestand, Entscheidungsgründe und Rechtsmittelbelehrung sind alsbald nachträglich niederzulegen, von den Richtern besonders zu unterschreiben und der Geschäftsstelle zu übermitteln.

(5) Das Gericht kann von einer weiteren Darstellung der Entscheidungsgründe absehen, soweit es der Begründung des Verwaltungsakts oder des Widerspruchsbescheids folgt und dies in seiner Entscheidung feststellt.

(6) 1Der Urkundsbeamte der Geschäftsstelle hat auf dem Urteil den Tag der Zustellung und im Falle des § 116 Abs. 1 Satz 1 den Tag der Verkündung zu vermerken und diesen Vermerk zu unterschreiben. 2Werden die Akten elektronisch geführt, hat der Urkundsbeamte der Geschäftsstelle den Vermerk in einem gesonderten Dokument festzuhalten. 3Das Dokument ist mit dem Urteil untrennbar zu verbinden.

§ 154 VwGO


(1) Der unterliegende Teil trägt die Kosten des Verfahrens.

(2) Die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels fallen demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat.

(3) Dem Beigeladenen können Kosten nur auferlegt werden, wenn er Anträge gestellt oder Rechtsmittel eingelegt hat; § 155 Abs. 4 bleibt unberührt.

(4) Die Kosten des erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahrens können der Staatskasse auferlegt werden, soweit sie nicht durch das Verschulden eines Beteiligten entstanden sind.

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