BT-Drucksache 18/9088

zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung - Drucksache 18/8487 - Entwurf eines Sechsten Gesetzes zur Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze (6. SGB IV-Änderungsgesetz - 6. SGB IV-ÄndG)

Vom 6. Juli 2016


Deutscher Bundestag Drucksache 18/9088
18. Wahlperiode 06.07.2016

Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Arbeit und Soziales (11. Ausschuss)

zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung
– Drucksache 18/8487 –

Entwurf eines Sechsten Gesetzes zur Änderung des Vierten Buches
Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze
(6. SGB IV-Änderungsgesetz – 6. SGB IV-ÄndG)

A. Problem
Ein Teil der Vorschläge aus dem Projekt „Optimiertes Meldeverfahren in der so-
zialen Sicherung“ (OMS) konnten noch nicht mit dem 5. SGB IV-Änderungsge-
setz umgesetzt werden, da sie noch weiterer Ausarbeitung bedurften. Diese wei-
teren Verbesserungsvorschläge aus dem OMS-Projekt sollen nun umgesetzt wer-
den. Zudem ergibt sich auch ein weiterer gesetzlicher Anpassungsbedarf zur Wei-
terentwicklung der einzelnen technischen Verfahren, die durch die Umsetzung der
Ergebnisse aus dem Projekt OMS angestoßen worden sind. Außerdem sollen An-
regungen aus der Praxis aufgegriffen werden, die zu einer höheren Rechtssicher-
heit oder zu einer Verfahrensvereinfachung beitragen. Darüber hinaus fehlen für
eine vom Bundeskabinett beschlossene Entlastung der mittelständischen Wirt-
schaft von Bürokratie – die Einrichtung einer Informationsplattform im Internet,
auf der Arbeitgeber Basisinformationen zu sozialversicherungsrechtlichen Fragen
im Zusammenhang mit dem Melde- und Beitragsverfahren zur Sozialversiche-
rung finden, sowie die Vereinfachung der Übermittlung von Entgeltbescheini-
gungsdaten – bisher die gesetzlichen Grundlagen. Ferner hat sich im Arbeitsge-
richtsgesetz Änderungsbedarf ergeben.

B. Lösung
Mit dem Gesetz werden Vorschläge zur Verbesserung der technischen und orga-
nisatorischen Abläufe in den Meldeverfahren in der sozialen Sicherung umge-
setzt, per Definition wichtige Verfahrensbestandteile der elektronischen Melde-
und Beitragsverfahren in der sozialen Sicherung klargestellt, wird ein Informati-
onsportal für Arbeitgeber im Bereich der Sozialversicherung eingeführt, der An-
wendungsbereich der Vorschriften für die Nutzung der Entgeltbescheinigung
auch auf Besoldungsnachweise ausgedehnt, eine Möglichkeit zur elektronischen

Drucksache 18/9088 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Übertragung von Bescheinigungsdaten an die Deutsche Gesetzliche Unfallversi-
cherung e. V. eingeführt sowie die Nichtzulassungsbeschwerde gegen berufungs-
verwerfende Beschlüsse der Landesarbeitsgerichte durch Änderung des § 77 des
Arbeitsgerichtsgesetzes (ArbGG) eröffnet.

Mit den Änderungsanträgen wird geregelt, dass die Änderungen am automatisier-
ten Verfahren zur Aufnahme von Leistungsanträgen bei Versicherungsämtern und
Gemeindebehörden (e-Antrag) bereits am Tag nach der Verkündung in Kraft tre-
ten, die Dienstunfallfürsorge für die Beamtinnen und Beamte des Bundesministe-
riums für Arbeit und Soziales (BMAS), seines unmittelbaren Geschäftsbereichs,
der Bundesagentur für Arbeit (BA) und für die Richterinnen und Richter des Bun-
desarbeitsgerichts (BAG) und des Bundesozialgerichts (BSG) modellhaft befris-
tet auf die Unfallversicherung Bund und Bahn übertragen wird, die Regelungen
für die landwirtschaftliche Sozialversicherung zur Ermöglichung einer begrenz-
ten Aktienanlage bei Altersrückstellungen den Regelungen für die Krankenkassen
und Unfallversicherungsträger angeglichen werden, im Arbeitszeit- und Jugend-
arbeitsschutzgesetz Regelungen zur Umsetzung der EU-Binnenschifffahrtsricht-
linie aufgenommen werden, auf Wunsch des Arbeitgebers Prüfbescheide generell
im Weg der Datenübertragung übermittelt werden können und Bußgeldbescheide
in die Betriebsprüfungsdatei der Rentenversicherungsträger aufgenommen wer-
den.

Annahme des Gesetzentwurfs in geänderter Fassung mit den Stimmen der
Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimment-
haltung der Fraktion DIE LINKE.

C. Alternativen
Keine.

D. Kosten
Der Gesetzentwurf enthält eine Vielzahl von Regelungen, u. a. aus dem Projekt
OMS, die zu einer Veränderung des Erfüllungsaufwandes führen. Die ermittelte
Gesamtsumme des einmaligen Umstellungsaufwandes für Arbeitgeber und Sozi-
alversicherungsträger beträgt nach den Angaben des Gesetzentwurfs rund
11,6 Millionen Euro. Die Investitionen amortisieren sich für die Arbeitgeber
schon im ersten Jahr, für die Sozialversicherungsträger innerhalb von drei Jahren.

Der Erfüllungsaufwand für die Bürgerinnen und Bürger reduziert sich durch die
erweiterten Möglichkeiten der Nutzung der Besoldungsnachweise sowie durch
die verstärkte Möglichkeit des elektronischen Abrufs von Bescheinigungen und
durch die Reduzierung der Meldungen im Zahlstellenmeldeverfahren um mindes-
tens 315.000 Stunden.

Die Änderung des ArbGG führt zu keinem höheren Erfüllungsaufwand für Bür-
gerinnen und Bürger. Gegen berufungsverwerfende Beschlüsse der Landesar-
beitsgerichte bleibt dem Berufungskläger nach derzeitiger Rechtslage nur der
Rechtsweg zu den Verfassungsgerichten. Das Beschreiten dieses Rechtswegs löst
Kosten der Rechtsverfolgung aus, die künftig entfallen. Die künftige Möglichkeit,
Nichtzulassungsbeschwerde beim BAG einzulegen, löst im Gegenzug wiederum
Kosten der Rechtsverfolgung aus.

Durch die qualitätsverbessernden Maßnahmen reduziert sich der laufende jährli-
che Erfüllungsaufwand für die Arbeitgeber um rund 43,5 Millionen Euro. Diese

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/9088
Entlastung wird im Rahmen der von der Bundesregierung beschlossenen Büro-
kratiebremse nach dem „One in, one out“-Prinzip berücksichtigt.

Die Änderung des ArbGG führt zu keinem höheren Erfüllungsaufwand für die
Wirtschaft. Die Ausführungen zum Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bür-
ger gelten entsprechend.

Durch die Einführung des Verfahrens für die Absendernummer entstehen für die
Arbeitgeber jährliche Bürokratiekosten aus einer Informationspflicht von rund
130.000 Euro.

Bund, Ländern und Kommunen entstehen Umstellungskosten und laufende jähr-
liche Entlastungen im Rahmen ihrer Aufgaben als Arbeitgeber. Die Aufwendun-
gen sind in den Gesamtkosten für die Arbeitgeber und deren Umstellungsaufwand
aufgegangen und nicht gesondert ausgewiesen. Die Umstellung nunmehr fast aller
Meldeverfahren zur sozialen Sicherung auf Datenübertragung im Verfahren der
Datenerfassungs- und -übermittlungsverordnung (DEÜV) erfordert einen höheren
Prüfaufwand auch durch den Prüfdienst des Bundesversicherungsamtes, der in der
abschließenden Höhe zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht beziffert werden
kann. Demgegenüber steht jedoch durch die verschiedenen Optimierungsmaßnah-
men im Rahmen des Gesetzentwurfs, von denen auch das Bundesversicherungs-
amt profitiert, eine Entlastung. Der Umfang der tatsächlichen Auswirkungen auf
den Bedarf an Sach- und Personalmitteln und auf den Bundeshaushalt kann erst
nach Einführung der Rechtsänderung durch erste Erkenntnisse aus der Praxis be-
wertet werden. Mehrbedarf an Sach- und Personalmitteln ist finanziell und stel-
lenmäßig im Einzelplan 11 auszugleichen.

Die Sozialversicherungsträger werden durch die vorgeschlagenen Maßnahmen
jährlich insgesamt um rund 21 Millionen Euro belastet und um rund 24,4 Millio-
nen Euro entlastet.

Die Änderung des ArbGG führt zu einer Entlastung der Verfassungsgerichte; im
Gegenzug kommt es beim Bundesarbeitsgericht zu einer nicht näher bezifferbaren
Erhöhung des Aufwandes, da das BAG künftig auch für Nichtzulassungsbe-
schwerden gegen berufungsverwerfende Beschlüsse der Landesarbeitsgerichte
zuständig ist.

Drucksache 18/9088 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Beschlussempfehlung

Der Bundestag wolle beschließen,

den Gesetzentwurf auf Drucksache 18/8487 mit folgenden Maßgaben, im Übrigen
unverändert anzunehmen:

1. Artikel 1 wird wie folgt geändert:

a) In Nummer 1 Buchstabe d wird die Angabe zu § 107 wie folgt gefasst:

„§ 107 Elektronische Übermittlung von Bescheinigungen für Ent-
geltersatzleistungen“.

b) Nach Nummer 3 werden die folgenden Nummern 3a und 3b eingefügt:

‚3a. Dem § 18d Absatz 1 wird folgender Satz angefügt:

„Eine Änderung des Einkommens ist auch die Änderung des zu
berücksichtigenden voraussichtlichen Einkommens oder die
Feststellung des tatsächlichen Einkommens nach der Berück-
sichtigung voraussichtlichen Einkommens.“

3b. § 18e Absatz 4 wird aufgehoben.‘

c) Nummer 4 Buchstabe b wird wie folgt geändert:

aa) In Satz 1 Nummer 3 wird der Punkt am Ende durch ein Komma
ersetzt und wird folgende Nummer 4 angefügt:

„4. das Ausstellungsdatum.“

bb) In Satz 2 wird die Angabe „3“ durch die Angabe „4“ ersetzt und
werden die Wörter „verschlüsselt in maschinenlesbarer Form“
durch das Wort „codiert“ ersetzt.

d) Nummer 21 wird wie folgt geändert:

aa) In § 105 Absatz 1 werden nach dem Wort „Buches“ die Wörter
„oder nach § 219 des Fünften Buches“ eingefügt.

bb) § 107 wie folgt geändert:

aaa) Die Überschrift wird wie folgt geändert:

㤠107

Elektronische Übermittlung von Bescheinigungen für
Entgeltersatzleistungen“.

bbb) Absatz 2 wird wie folgt geändert:

aaaa) In Satz 3 wird die Angabe „3“ durch die Angabe
„2“ ersetzt.

bbbb) In Satz 5 wird die Angabe „bis 3“ durch die An-
gabe „und 2“ ersetzt.

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/9088
2. Artikel 4 wird wie folgt geändert:

a) Nach Nummer 13 wird folgende Nummer 13a eingefügt:

‚13a. In § 192 Absatz 2 werden die Wörter „den Zivildienst“ durch
die Wörter „Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“ er-
setzt.ʻ

b) Nach Nummer 20 werden die folgenden Nummern 20a und 20b einge-
fügt:

‚20a. Dem § 314 wird folgender Absatz 3 angefügt:

„(3) Auf eine Witwenrente oder Witwerrente nach dem
vorletzten Ehegatten, bei der Einkommen nach § 114 Absatz 1
des Vierten Buches zu berücksichtigen ist, ist eine Witwen-
rente oder Witwerrente nach dem letzten Ehegatten in der Höhe
anzurechnen, die sich nach Anwendung der Vorschriften über
die Einkommensanrechnung auf Renten wegen Todes ergibt.
§ 97 Absatz 3 Satz 1 und 3 findet in diesen Fällen keine An-
wendung.“

20b. In § 314a Absatz 2 wird die Angabe „§ 314“ durch die Wörter
„§ 314 Absatz 1 und 2“ ersetzt.‘

3. Nach Artikel 6 wird folgender Artikel 6a eingefügt:

‚Artikel 6a

Änderung des Gesetzes zur Errichtung der Unfallversicherung Bund
und Bahn

Nach § 4 des Gesetzes zur Errichtung der Unfallversicherung Bund und
Bahn vom 19. Oktober 2013 (BGBl. I S. 3836), das durch … (BGBl. I S. …)
geändert worden ist, wird folgender § 4a eingefügt:

㤠4a

Unfallfürsorge für Beamte

(1) Der Unfallversicherung Bund und Bahn werden befristet bis zum
31. Dezember 2020 für die Beamtinnen und Beamten des Bundesministeri-
ums für Arbeit und Soziales, des Bundessozialgerichts, des Bundesarbeits-
gerichts, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, des Bun-
desversicherungsamtes, der Bundesagentur für Arbeit sowie für die Richte-
rinnen und Richter des Bundessozialgerichts und des Bundesarbeitsgerichts
folgende Aufgaben im Wege des Auftrags übertragen:

1. die Durchführung der Dienstunfallfürsorge nach Abschnitt V des
Beamtenversorgungsgesetzes mit Ausnahme der nach den §§ 36 bis 43
des Beamtenversorgungsgesetzes zu gewährenden Leistungen,

2. die Gewährung von Sachschadenersatz nach § 78 des Bundesbeamten-
gesetzes sowie

3. die Geltendmachung eines Schadenersatzanspruches nach § 76 des
Bundesbeamtengesetzes.

Drucksache 18/9088 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

Die Verantwortlichkeit für die Aufgaben nach Satz 1 Nummer 1 bis 3 ver-
bleibt bei dem jeweiligen Dienstherrn. Die Einrichtungen nach Satz 1 haben
der Unfallversicherung Bund und Bahn die Leistungsausgaben zu erstatten.
Die Personal- und Sachkosten trägt die Unfallversicherung Bund und Bahn.

(2) Die Unfallversicherung Bund und Bahn nimmt die Befugnisse ei-
ner obersten Dienstbehörde bezüglich der in Absatz 1 genannten übertrage-
nen Aufgaben wahr. Für die Durchführung der der Unfallversicherung Bund
und Bahn nach Absatz 1 übertragenen Aufgaben hat das Bundesministerium
für Arbeit und Soziales das fachliche Weisungsrecht, soweit es sich nicht um
von der Bundesagentur für Arbeit übertragene Aufgaben handelt. Für die
Durchführung der von der Bundesagentur für Arbeit auf die Unfallversiche-
rung Bund und Bahn nach Absatz 1 übertragenen Aufgaben hat die Bundes-
agentur für Arbeit das fachliche Weisungsrecht. Insoweit finden die Vor-
schriften über die Selbstverwaltung der Träger der Sozialversicherung keine
Anwendung.

(3) Die in Absatz 1 genannten Einrichtungen sind verpflichtet, die Un-
fallversicherung Bund und Bahn bei der Durchführung der ihr übertragenen
Aufgaben zu unterstützen. Das Nähere regelt die Unfallversicherung Bund
und Bahn mit den Einrichtungen durch Verwaltungsvereinbarungen.

(4) Die Übertragung der Durchführung der Dienstunfallfürsorge nach
Absatz 1 wird nach Ablauf von zwei Jahren nach Inkrafttreten evaluiert.“ ‘

4. Nach Artikel 7 wird folgender Artikel 7a eingefügt:

‚Artikel 7a

Änderung des Gesetzes zur Errichtung der Sozialversicherung für Land-
wirtschaft, Forsten und Gartenbau

Nach § 7 Absatz 1 des Gesetzes zur Errichtung der Sozialversicherung
für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau vom 12. April 2012 (BGBl. I
S. 579), das zuletzt durch … (BGBl. I S. …) geändert worden ist, wird fol-
gender Absatz 1a eingefügt:

„(1a) Für die Anlage der Mittel zur Finanzierung des Deckungskapitals
für Altersrückstellungen gelten die Vorschriften des Vierten Titels des Vier-
ten Abschnitts des Vierten Buches Sozialgesetzbuch mit der Maßgabe, dass
eine Anlage auch in Euro-denominierten Aktien im Rahmen eines passiven,
indexorientierten Managements zulässig ist. Die Anlageentscheidungen sind
jeweils so zu treffen, dass der Anteil an Aktien maximal 10 Prozent des De-
ckungskapitals beträgt. Änderungen des Aktienkurses können vorüberge-
hend zu einem höheren Anteil an Aktien am Deckungskapital führen.“ ‘

5. Nach Artikel 12 werden die folgenden Artikel 12a und 12b eingefügt:

‚Artikel 12a

Änderung des Arbeitszeitgesetzes

Das Arbeitszeitgesetz vom 6. Juni 1994 (BGBl. I S. 1170, 1171), das
zuletzt durch … (BGBl. I S. …) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/9088

1. § 21 wird wie folgt gefasst:

㤠21

Beschäftigung in der Binnenschifffahrt

(1) Die Bundesregierung kann durch Rechtsverordnung mit Zu-
stimmung des Bundesrates, auch zur Umsetzung zwischenstaatlicher
Vereinbarungen oder von Rechtsakten der Europäischen Union, abwei-
chend von den Vorschriften dieses Gesetzes die Bedingungen für die
Arbeitszeitgestaltung von Arbeitnehmern, die als Mitglied der Besat-
zung oder des Bordpersonals an Bord eines Fahrzeugs in der Binnen-
schifffahrt beschäftigt sind, regeln, soweit dies erforderlich ist, um den
besonderen Bedingungen an Bord von Binnenschiffen Rechnung zu tra-
gen. Insbesondere können in diesen Rechtsverordnungen die notwendi-
gen Bedingungen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz im
Sinne des § 1, einschließlich gesundheitlicher Untersuchungen hin-
sichtlich der Auswirkungen der Arbeitszeitbedingungen auf einem
Schiff in der Binnenschifffahrt, sowie die notwendigen Bedingungen
für den Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe bestimmt werden. In
Rechtsverordnungen nach Satz 1 kann ferner bestimmt werden, dass
von den Vorschriften der Rechtsverordnung durch Tarifvertrag abgewi-
chen werden kann.

(2) Soweit die Bundesregierung von der Ermächtigung des Absat-
zes 1 keinen Gebrauch macht, gelten die Vorschriften dieses Gesetzes
für das Fahrpersonal auf Binnenschiffen, es sei denn, binnenschiff-
fahrtsrechtliche Vorschriften über Ruhezeiten stehen dem entgegen.
Bei Anwendung des Satzes 1 kann durch Tarifvertrag von den Vor-
schriften dieses Gesetzes abgewichen werden, um der Eigenart der Bin-
nenschifffahrt Rechnung zu tragen.“

2. In § 22 Absatz 1 Nummer 4 wird nach den Wörtern „§ 15 Absatz 2a
Nummer 2“ die Angabe „, § 21 Absatz 1“ eingefügt.

Artikel 12b*)

Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes

Das Jugendarbeitsschutzgesetz vom 12. April 1976 (BGBl. I
S. 965), das zuletzt durch … (BGBl. I S. …) geändert worden ist, wird
wie folgt geändert:

1. § 20 wird wie folgt geändert:

a) Der Wortlaut wird Absatz 1.

b) Die folgenden Absätze 2 und 3 werden angefügt:

„(2) In der gewerblichen Binnenschifffahrt hat der Ar-
beitgeber Aufzeichnungen nach Absatz 3 über die tägliche
Arbeits- oder Freizeit jedes Jugendlichen zu führen, um eine
*) Die Änderung dient der Umsetzung der Richtlinie 2014/112/EU des Rates der Europäischen Union

vom 19. Dezember 2014 über die Regelung bestimmter Aspekte der Arbeitszeitgestaltung in der
Binnenschifffahrt für Jugendliche.

Drucksache 18/9088 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

Kontrolle der Einhaltung der §§ 8 bis 21a dieses Gesetzes zu
ermöglichen. Die Aufzeichnungen sind in geeigneten Zeitab-
ständen, spätestens bis zum nächsten Monatsende, gemein-
sam vom Arbeitgeber oder seinem Vertreter und von dem Ju-
gendlichen zu prüfen und zu bestätigen. Im Anschluss müs-
sen die Aufzeichnungen für mindestens zwölf Monate an
Bord aufbewahrt werden und dem Jugendlichen ist eine Ko-
pie der bestätigten Aufzeichnungen auszuhändigen. Der Ju-
gendliche hat die Kopien daraufhin zwölf Monate für eine
Kontrolle bereitzuhalten.

(3) Die Aufzeichnungen nach Absatz 2 müssen min-
destens folgende Angaben enthalten:

1. Name des Schiffes,

2. Name des Jugendlichen,

3. Name des verantwortlichen Schiffsführers,

4. Datum des jeweiligen Arbeits- oder Ruhetages,

5. für jeden Tag der Beschäftigung, ob es sich um einen
Arbeits- oder um einen Ruhetag handelt, sowie

6. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit oder der täg-
lichen Freizeit.“

2. Nach § 59 Absatz 1 Nummer 2 werden die folgenden Num-
mern 2a und 2b eingefügt:

„2a. entgegen § 20 Absatz 2 Satz 1 eine Aufzeichnung nicht
oder nicht richtig führt,

2b. entgegen § 20 Absatz 2 Satz 3 eine Aufzeichnung nicht
oder nicht mindestens zwölf Monate aufbewahrt,“.‘

6. Artikel 17 wird wie folgt geändert:

a) Nummer 2 wird wie folgt gefasst:

‚2. § 7 Absatz 4 Satz 1 und 2 wird wie folgt gefasst:

„Das Ergebnis der Prüfung ist dem Arbeitgeber innerhalb von
zwei Monaten nach Abschluss der Prüfung mitzuteilen; auf
Wunsch des Arbeitgebers kann dies durch Datenübertragung er-
folgen. Der Arbeitgeber soll durch den Prüfbescheid oder das Ab-
schlussgespräch zur Prüfung Hinweise zu den festgestellten Sach-
verhalten erhalten, um in den weiteren Verfahren fehlerhafte An-
gaben zu vermeiden.“ ‘

b) Nach Nummer 3 wird folgende Nummer 3a eingefügt:

‚3a. § 12 Satz 3 wird wie folgt gefasst:

„Für die Übermittlung des Prüfberichtes an eine in Satz 1 genannte
Stelle und an den Arbeitgeber gilt § 7 Absatz 4 Satz 1 bis 3 ent-
sprechend.“ ‘

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/9088

c) Nummer 4 wird wie folgt geändert:

‚4. § 14 wird wie folgt geändert:

a) In Absatz 1 Nummer 21 wird der Punkt am Ende durch ein
Komma ersetzt und wird folgende Nummer 22 angefügt:

„22. die Bußgeldbescheide, die nach § 111 Absatz 1 Num-
mer 2, 3 bis 3b und 8, nach § 111 Absatz 2 des Vierten
Buches Sozialgesetzbuch und nach § 98 Absatz 5 des
Zehnten Buches Sozialgesetzbuch erlassen wurden.“

b) In Absatz 2 werden nach dem Wort „Datenstelle“ die Wörter
„der Träger“ gestrichen.‘

7. Artikel 18 wird wie folgt geändert:

a) Nach Nummer 1 wird folgende Nummer 1a eingefügt:

‚1a. § 2 wird wie folgt geändert:

a) Nummer 3 wird wie folgt gefasst:

„3. Zahlstellen,“.

b) In Nummer 4 werden die Wörter „den Zivildienst“ durch
die Wörter „Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“
ersetzt.‘

b) In Nummer 3 wird das Wort „einem“ durch das Wort „einen“ ersetzt.

c) Nummer 8 Buchstabe c wird wie folgt gefasst:

,c) Folgender Absatz 4 wird angefügt:

„(4) Die Datenstelle der Rentenversicherung erstellt für
alle in den Meldeverfahren beteiligten Sozialversicherungsträger
zur Sicherung der Qualität der Meldungen nach den §§ 28a, 28f
Absatz 3 Satz 1, den §§ 106 und 108 des Vierten Buches Sozial-
gesetzbuch Kernprüfprogramme; § 28b Absatz 4 des Vierten
Buches Sozialgesetzbuch gilt. Für alle weiteren in Satz 1 nicht
genannten Meldeverfahren ist der Spitzenverband Bund der
Krankenkassen zuständig. Soweit Meldungen an berufsständi-
sche Versorgungseinrichtungen betroffen sind, ist die Arbeitsge-
meinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e. V. an
der Erstellung der Gemeinsamen Grundsätze zu beteiligen. Nut-
zen Arbeitgeber oder andere Meldepflichtige ein systemgeprüf-
tes Entgeltabrechnungsprogramm, so sind von diesen Program-
men die Anforderungen der Kernprüfprogramme zu erfüllen.
Die berufsständischen Versorgungseinrichtungen sollen die
Kernprüfprogramme nutzen; das Nähere über das Verfahren und
die Kostenbeteiligung regeln die Arbeitsgemeinschaft berufs-
ständischer Versorgungseinrichtungen e. V. und die Datenstelle
der Rentenversicherung in einer Vereinbarung.“ ʻ

d) Nach Nummer 8 wird folgende Nummer 8a eingefügt:

‚8a. § 40 wird wie folgt geändert:

a) In Absatz 1 Satz 1 werden die Wörter „den Zivildienst“
durch die Wörter „Familie und zivilgesellschaftliche Auf-
gaben“ ersetzt.

Drucksache 18/9088 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

b) Absatz 3 wird aufgehoben.

c) In Absatz 4 Satz 2 werden die Wörter „der Träger“ gestri-
chen.‘

e) Nummer 9 wird wie folgt gefasst:

‚9. In den §§ 7 und 38 Absatz 2 Satz 1 werden jeweils die Wörter „der
Träger“ gestrichen.‘

8. Artikel 23 wird wie folgt geändert:

a) In Absatz 1 wird die Angabe „2 bis 4“ durch die Angabe „2 und 3“
ersetzt.

b) Absatz 2 wird wie folgt gefasst:

„(2) Artikel 1 Nummer 10 Buchstabe a, Artikel 3 Nummer 1,
die Artikel 4, 5 Nummer 1 bis 4, 6 bis 11, 13 bis 16, die Artikel 6 und
7 bis 9, 11 bis 12a und 19 treten am Tag nach der Verkündung in Kraft.“

c) Absatz 3 wird aufgehoben.

d) Absatz 4 wird Absatz 3.

Berlin, den 6. Juli 2016

Der Ausschuss für Arbeit und Soziales

Kerstin Griese
Vorsitzende

Gabriele Hiller-Ohm
Berichterstatterin
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/9088
Bericht der Abgeordneten Gabriele Hiller-Ohm

A. Allgemeiner Teil

I. Überweisung

Der Gesetzentwurf auf Drucksache 18/8487 ist in der 173. Sitzung des Deutschen Bundestages am 2. Juni 2016
an den Ausschuss für Arbeit und Soziales zur federführenden Beratung sowie an den Innenausschuss, den Haus-
haltsausschuss sowie den Ausschuss für Gesundheit zur Mitberatung überwiesen worden. Der Haushaltsausschuss
befasst sich zudem gemäß § 96 GOBT mit der Vorlage, der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung
gutachtlich.

II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage

Die automatisierten Meldungen im Bereich der sozialen Sicherung sind nach den Angaben im Gesetzentwurf mit
die größten und durch die Vielzahl der darüber abgewickelten Fachverfahren besonders komplexe Datenübermitt-
lungen zwischen den Arbeitgebern und öffentlichen Stellen. Obwohl alle Verfahrensbeteiligten das System als
ausgereift, kostengünstig und sicher ansähen, bestehe die Notwendigkeit, die Verfahren beständig qualitativ zu
prüfen und fortzuentwickeln. Angestoßen durch das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
geförderte und begleitete Projekt „Optimiertes Meldeverfahren in der sozialen Sicherung“ (OMS) in den Jahren
2012 bis 2014 hätten zahlreiche Vorschläge schon mit dem 5. Gesetz zur Änderung des Vierten Buches Sozial-
gesetzbuch und anderer Gesetze“ umgesetzt werden können. Weitere Vorschläge hätten über den Untersuchungs-
zeitraum hinaus noch einer Konkretisierung im Rahmen anschließender Arbeitsgruppen mit allen Verfahrensbe-
teiligten bedurft. Mit dem am 4. Juni 2014 vom Bundeskabinett beschlossenen „Arbeitsprogramm bessere Recht-
setzung 2014“ habe die Bundesregierung beschlossen, weitere Verbesserungsvorschläge aus dem OMS-Projekt
umzusetzen. Auch diese sollten nunmehr zeitnah gesetzlich gefasst werden.

Nach geltendem Recht könne gegen berufungsverwerfende Beschlüsse der Landesarbeitsgerichte eine Nichtzu-
lassungsbeschwerde nicht eingelegt werden (vergleiche Bundesarbeitsgericht (BAG), Beschluss vom 06.01.2015
– 6 AZB 105/14). Die Rechtsprechung sehe insofern eine Rechtsschutzlücke (vgl. BWStGH, Beschl. vom
3.11.2014 – 1 VB 8/14), die in Anlehnung an die bestehenden Rechtsschutzmöglichkeiten gegen berufungsver-
werfende Urteile der Landesarbeitsgerichte geschlossen werden solle.

III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse

Der Innenausschuss, der Haushaltsausschuss sowie der Ausschuss für Gesundheit haben den Gesetzentwurf auf
Drucksache 18/8487 in ihren Sitzungen am 6. Juli 2016 beraten. Der Haushaltsausschuss und der Ausschuss für
Gesundheit haben dabei dem Deutschen Bundestag mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD und
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion DIE LINKE. die Annahme des Gesetzentwurfs
in geänderter Fassung empfohlen. Der Innenausschuss hat die Annahme in geänderter Fassung mit den Stimmen
der Fraktionen der CDU/CSU und SPD bei Stimmenthaltung der Fraktionen DIE LINKE. und BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN empfohlen. Der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung hat sich in seiner Sitzung am
19. Mai 2016 gutachtlich mit der Vorlage befasst und bedingt eine Nachhaltigkeitsrelevanz festgestellt. Die Dar-
stellung der Nachhaltigkeitsprüfung sei plausibel. Eine Prüfbitte wurde daher nicht für erforderlich gehalten.

Drucksache 18/9088 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss

Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 18/8487 in seiner 84. Sitzung am
6. Juli 2016 abschließend beraten und dem Deutschen Bundestag mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU,
SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion DIE LINKE. die Annahme in geänder-
ter Fassung empfohlen.

Das Gesetz bringt nach den Ausführungen der Fraktion der CDU/CSU im Wesentlichen Vereinfachungen und
Bürokratieabbau. Angestrebt würden u. a. einfachere technische Abläufe. Dies führe zu einer erheblichen Sen-
kung der laufenden Kosten. Zusätzlich enthalte der Entwurf Regelungen zur Arbeitsgerichtsbarkeit, die mehr
Rechtssicherheit schüfen sowie ein Modellprojekt im Bereich der Unfallversicherung der Beamten und Beamtin-
nen. Schließlich werde in der Niedrigzinsphase für Krankenkassen, Unfallversicherung und Landwirtschaftliche
Sozialversicherung für Versorgungsrücklagen für Dienstordnungsangestellte eine 10prozentige Anlagemöglich-
keit in Aktien vorgesehen. Sowohl durch die Begrenzung in der Höhe als auch durch die Vorgaben für das Anla-
geportfolio würden Risiken minimal gehalten, während gleichzeitig die Chance auf eine bessere Rendite bestehe.

Die Fraktion der SPD äußerte sich erfreut darüber, dass das Gesetzespaket verabschiedet werden könne. Die
OMS-Projektgruppe habe diese Schritte zur Entbürokratisierung der Meldeverfahren der Sozialversicherungen
erfolgreich vorbereitet und einen Teil bereits im Rahmen des 5. SGB-IV-Änderungsgesetzes umgesetzt. Darüber
hinaus würden Anregungen des Bundesrates und der Sozialversicherungsträger aufgenommen. Zwar gehe es in
diesem Gesetz vorrangig um kleinteilige Regelungen. Im Ergebnis würden aber jährlich rund 43,5 Millionen Euro
seitens der Wirtschaft an Kosten eingespart. Dazu kämen außerdem ein Effizienzgewinn bei den Sozialversiche-
rungsträgern von jährlich etwa 3,4 Millionen Euro sowie der Zeitgewinn von Bürgerinnen und Bürgern. Bei der
Anlagemöglichkeit von Altersrücklagen in Aktien seien sichernde Maßnahmen getroffen worden, indem hoch-
spekulative Aktien ausgeschlossen würden und diese Anlagemöglichkeit in Aktien auf zehn Prozent der Alters-
rücklage begrenzt werde. Darüber hinaus orientiere man sich dabei an den Vorschriften des Versorgungsfonds
des Bundes. Bei den Regelungen zur Binnenschifffahrt wiederum gehe es um die Umsetzung von EU-Recht in
nationales Recht.

Die Fraktion DIE LINKE. kritisierte die neue Anlagemöglichkeit für die Altersrückstellungen im Bereich der
Krankenkassen und der Unfallversicherung. Dies beinhalte immer auch die Möglichkeit von Verlusten. Bei den
Mitteln der Altersversorgung aber müsse Anlagesicherheit absoluten Vorrang haben. Die Fraktion habe gegen
effizientere Bürokratieabläufe nichts einzuwenden. Darunter dürfe aber der Datenschutz nicht leiden. Doch der
maschinenlesbare Sozialversicherungsausweis öffne die Tür für die umfangreiche Aufnahme von Arbeitnehmer-
daten. Das berge für die Beschäftigten Risiken. Auch bei der Änderung des Arbeitszeitgesetzes für die Binnen-
schifffahrt komme es darauf an, dass nationales Arbeitszeitrecht und Tarifrecht bestehen bleibe, wenn bessere
Regelungen die Basis seien.

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN schloss sich dem Ziel an, weniger Bürokratie zu schaffen. Die Vor-
schläge seien zwar kleinteilig, aber sinnvoll und gingen in die richtige Richtung. Bedenken hege man allerdings
hinsichtlich der neuen Anlagemöglichkeit in Aktien für die Altersrückstellungen im Gesundheitsbereich. Dies sei
fragwürdig. Wenn man es denn überhaupt zulassen wolle, müsse dies besser ausgestaltet werden.

B. Besonderer Teil
Zu Nummer 1 (Artikel 1 – Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch)

Zu Buchstabe a (Inhaltsangabe zu § 107)

Redaktionelle Folgeänderung.

Zu Buchstabe b (Nummer 3a – neu – § 18d)

Klarstellung, dass auch die Anpassung einer bisherigen Prognose über voraussichtliches Einkommen oder die
Ersetzung prognostizierten Einkommens durch das tatsächliche Einkommen jeweils zum Juli jeden Jahres vorzu-
nehmen ist.

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/9088
(Nummer 3b – neu – § 18e)

Der bisherige Absatz 4 kann entfallen, da insbesondere durch die Ergänzung in § 18b Absatz 2 (Artikel 1 Num-
mer 3 des Gesetzentwurfs) geregelt wird, wie zu verfahren ist, wenn tatsächliches Einkommen noch nicht fest-
steht.

Zu Buchstabe c (Nummer 4 – § 18h)

In der Vorbereitung der Umsetzung der Codierung und Signierung des zukünftigen Sozialversicherungsausweises
durch die Datenstelle der Rentenversicherung zusammen mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bun-
desamt für Sicherheit in der Informationstechnik sowie dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat sich
ergeben, dass zur Verbesserung der Sicherheit des Ausweises das Ausstellungsdatum aufgebracht werden soll,
um die Nutzung mehrerer Ausweise für eine Person auszuschließen. Außerdem soll die Nutzung des 2D-Barcodes
durch das Wort „Codierung“ genauer beschrieben werden.

Zu Buchstabe d (Nummer 21 – §§ 105, 107)

Doppelbuchstabe aa (§ 105)

Die Änderung folgt einem Vorschlag des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen. Es wird der Kreis der für
eine Auftragserteilung in Betracht kommenden Arbeitsgemeinschaften erweitert.

Doppgelbuchstabe bb (§ 107)

Dreifachbuchstabe aaa

Das Wort „sonstige“ in der Überschrift ist entbehrlich, da dieser Begriff lediglich im § 430 Drittes Buch eine
Anwendung findet.

Dreifachbuchstabe bbb

Berichtigung eines Redaktionsversehens.

Zu Nummer 2 (Artikel 4 – Änderung des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch)

Zu Buchstabe a (Nummer 13a – neu – § 192)

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über den Bundesfreiwilligendienst erfolgte die Umbenennung des früheren
Bundesamtes für Zivildienst in Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Diese Umbenennung
wird nunmehr nachvollzogen.

Zu Buchstabe b (Nummer 20a – neu – § 314)

Es handelt sich um eine Sonderregelung zu § 90. Damit wird im Ergebnis sichergestellt, dass sich bei Zusammen-
treffen von Witwenrenten oder Witwerrenten nach dem vorletzten und dem letzten Ehegatten mit Einkommen,
welches unter Berücksichtigung von §§ 90 Absatz 1, 2. Halbsatz und 97 sowie hinsichtlich der vorletzten Ehe von
§ 114 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch anzurechnen ist, nach Einkommensanrechnung mindestens der Ge-
samtrentenbetrag ergibt, der der zu zahlenden Witwenrente oder Witwerrente nach dem vorletzten Ehegatten
(nach Anrechnung von Einkommen unter Berücksichtigung von § 114 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch) ent-
spricht. Hiermit wird – entsprechend der Intention des Gesetzgebers – gewährleistet, dass sich bei Auflösung der
letzten Ehe diese Eheschließung auch in den Fällen nicht nachteilig auswirkt, in denen aufgrund der Hinterblie-
benenrentenreform 2002 hinsichtlich der letzten und der vorletzten Ehe unterschiedliche Einkommen anzurech-
nen sind, weil seitdem auch Vermögenseinkommen einbezogen wird.

(Nummer 20b – neu – § 314a)

Folgeänderung zur Änderung von § 314.

Zu Nummer 3 (Artikel 6a – neu – Änderung des Gesetzes zur Errichtung der Unfallversicherung Bund
und Bahn)

In der Bundesverwaltung wird die Dienstunfallfürsorge für die Beamtinnen und Beamten sowie für die Richte-
rinnen und Richter durch den jeweiligen Dienstherrn eigenverantwortlich durchgeführt. Im Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sind insofern das Bundesministerium, die Bundesagentur für Arbeit,

Drucksache 18/9088 – 14 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
die Unfallversicherung Bund und Bahn und alle weiteren Dienstherren zuständig für die Dienstunfallfürsorge. Im
Unterschied dazu ist die gesetzliche Unfallversicherung der Tarifbeschäftigten der Bundesverwaltung bei der Un-
fallversicherung Bund und Bahn zentral und nach einheitlichen Grundsätzen organisiert. Die Erfahrung und Spe-
zialisierung der Unfallversicherung Bund und Bahn im Bereich der medizinischen Versorgung bei Arbeitsunfällen
von Tarifbeschäftigten soll im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, in dessen unmittelbarem Geschäfts-
bereich und in der Bundesagentur für Arbeit im Interesse einer zielgerichteten und optimalen fachlichen Steuerung
der Unfallfürsorgeleistungen auch für die Beamtinnen und Beamten genutzt werden. Gemäß § 30 Absatz 2 des
SGB IV bedarf es hierzu einer gesetzlichen Grundlage.

Den Bürgerinnen und Bürgern entsteht durch die Umsetzung des Modellprojekts kein Erfüllungsaufwand.

Für die Wirtschaft entsteht durch die Umsetzung des Modellprojekts kein Erfüllungsaufwand.

Die Übertragung der Dienstunfallfürsorge auf die Unfallversicherung Bund und Bahn führt bei der Verwaltung
zu einem höheren Erfüllungsaufwand, der mit der Durchführung der Dienstunfallfürsorge verbunden ist. Dies
führt aber nicht zu höheren Personal- und Sachkosten bei der Unfallversicherung Bund und Bahn. Gleichzeitig
entfällt in diesen Fällen der Erfüllungsaufwand bei den Stellen der Bundesverwaltung, die die Fälle bisher bear-
beitet haben. Insgesamt sind durch die Wahrnehmung der Aufgaben durch spezialisierte Bearbeiterinnen und Be-
arbeiter der Unfallversicherung Bund und Bahn sowie durch die Nutzung vorhandener, bewährter Verfahren und
Strukturen Synergieeffekte und eine Reduzierung des Erfüllungsaufwands zu erwarten.

Absatz 1 regelt die Dauer und den Umfang der modellhaften Aufgabenübertragung der Durchführung der Dienst-
unfallfürsorge vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und seinem Geschäftsbereich sowie von der Bun-
desagentur für Arbeit auf die Unfallversicherung Bund und Bahn. Da die Unfallversicherung Bund und Bahn eine
Selbstverwaltungskörperschaft ist, wird klargestellt, dass die Verpflichtung zur Durchführung der Dienstunfall-
fürsorge dem jeweiligen Dienstherrn obliegt und dass der jeweilige Dienstherr nach der Übertragung das fachliche
Weisungsrecht innehat. Das fachliche Weisungsrecht umfasst das volle Eintrittsrecht und die Letztverantwort-
lichkeit des Dienstherrn. Dadurch bleibt ein grundlegender Einfluss des Dienstherrn auf die Wahrnehmung der
Aufgaben durch die Unfallversicherung Bund und Bahn bestehen. Das Betreuungs- und Beratungsangebot durch
die Unfallversicherung Bund und Bahn ist für die Betroffenen freiwillig.

Die Aufgabenübertragung erfolgt befristet bis zum 31. Dezember 2020. Der Unfallversicherung Bund und Bahn
werden die folgenden Aufgaben übertragen: die Unfallfürsorge nach Abschnitt V des Beamtenversorgungsgeset-
zes mit Ausnahme der Leistungen nach den §§ 36 bis 43 des Beamtenversorgungsgesetzes, die Gewährung von
Sachschadenersatz nach § 78 des Bundesbeamtengesetzes sowie die Geltendmachung eines Schadenersatzan-
spruchs nach § 76 des Bundesbeamtengesetzes.

Die Unfallversicherung Bund und Bahn übernimmt somit künftig insbesondere die Entscheidung über das Vor-
liegen eines Dienstunfalls, die Feststellung der Minderung der Erwerbsfähigkeit und die jeweils dazugehörige
Erteilung der Bescheide, die Bereitstellung des medizinischen Heilverfahrens, die Überwachung und Steuerung
des Heilverfahrens, die persönliche Beratung und Betreuung des Unfallverletzten, die Abwicklung der Kosten
und gegebenenfalls die begleitende Rückkehr an den Arbeitsplatz. Die Leistungen der §§ 36 bis 43 des Beamten-
versorgungsgesetzes, wie zum Beispiel die Gewährung des Unfallruhegehalts und der Unfall-Hinterbliebenenver-
sorgung, verbleiben aufgrund der Fürsorge- und Alimentationsverpflichtung des Dienstherrn beim zuständigen
Dienstherrn.

Die Entscheidung über die Gewährung von Sachschadenersatz nach § 78 des Bundesbeamtengesetzes soll die
Unfallversicherung Bund und Bahn in den Untersuchungsverfahren treffen, in denen sie zwar keinen Körperscha-
den feststellt (konstitutive Voraussetzung für die Dienstunfallanerkennung), die aber sonst einem Dienstunfall
entsprechen. Die Geltendmachung von nach § 76 des Bundesbeamtengesetzes übergegangenen Schadenersatzan-
sprüchen gegen Dritte erfolgt für die im Rahmen der übertragenen Aufgaben erbrachten Leistungen. Da der Sach-
schadenersatz und der Schadenersatzanspruch im Dienstunfalluntersuchungsverfahren und den entsprechenden
Entscheidungen begründet sind, ist ein ganzheitlicher Prozess bei der Unfallversicherung Bund und Bahn die
wirtschaftlichste Verfahrensweise.

Die Aufgabenübertragung erfolgt im Rahmen des Modellprojekts für die beamteten Beschäftigten des Bundesmi-
nisteriums für Arbeit und Soziales, seines unmittelbaren Geschäftsbereichs (Bundessozialgericht, Bundesarbeits-
gericht, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Bundesversicherungsamt), der Bundesagentur für

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 15 – Drucksache 18/9088
Arbeit sowie für die Richterinnen und Richter des Bundessozialgerichts und des Bundesarbeitsgerichts. Die Ein-
richtungen erstatten der Unfallversicherung Bund und Bahn die Leistungsausgaben für die übernommenen Auf-
gaben. Die Personal- und Sachkosten, die durch die übertragenen Aufgaben anfallen, werden der Unfallversiche-
rung Bund und Bahn in der Modellphase angesichts der aufgrund der zu erwartenden, geringen Fallzahlen (circa
250 Dienstunfälle je Jahr) tatsächlich entstehenden begrenzten Kosten einerseits und des mit der Erfassung und
Berechnung der anfallenden Personal- und Sachkosten verbundenen Aufwands andererseits nicht erstattet.

Wegen der besonderen Fürsorgeverpflichtung des Dienstherrn gegenüber seinen Beamtinnen und Beamten einer-
seits und dem Charakter der Unfallversicherung Bund und Bahn als Selbstverwaltungskörperschaft andererseits
regelt Absatz 2 das fachliche Weisungsrecht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Bunde-
sagentur für Arbeit über die Unfallversicherung Bund und Bahn hinsichtlich der nach Absatz 1 übertragenen Auf-
gaben. Nur für den Bereich der übertragenen Aufgaben finden insoweit die Vorschriften über die Selbstverwal-
tung der Träger der Sozialversicherung auf die Unfallversicherung Bund und Bahn keine Anwendung. Auf diese
Weise kann der Dienstherr insbesondere den Schutz der Rechte der Beamtinnen und Beamten sowie die einheit-
liche Anwendung der beamtenrechtlichen Regelungen sicherstellen.

Nach Absatz 3 sind die in Absatz 1 genannten Einrichtungen verpflichtet, die Unfallversicherung Bund und Bahn
bei der Durchführung der übertragenen Aufgaben zu unterstützen. Das Nähere hierzu regeln die Unfallversiche-
rung Bund und Bahn und der jeweilige Dienstherr beziehungsweise die jeweilige Einrichtung durch Verwaltungs-
vereinbarungen.

In Absatz 4 wird eine gesetzliche Grundlage für eine Evaluierung geregelt, durch die die Auswirkungen der mo-
dellhaften Übertragung untersucht werden können. Die Evaluierung soll der Überprüfung der Wirtschaftlichkeit
und Zweckmäßigkeit der Übertragung der Durchführung der Dienstfallfürsorge dienen. Dabei soll insbesondere
der Kosten-Nutzen-Effekt für die betroffenen Beamtinnen und Beamten sowie die betroffenen Richterinnen und
Richter untersucht werden. Zudem sollte eine Untersuchung der Rechts- und Verwaltungspraxis der Unfallversi-
cherung Bund und Bahn im Hinblick auf die nach Absatz 1 übertragenen Aufgaben erfolgen. Die Untersuchung
soll dabei zwei Jahre der Durchführung des Modellprojekts berücksichtigen.

Zu Nummer 4 (Artikel 7a – neu – Änderung des Gesetzes zur Errichtung der Sozialversicherung für Land-
wirtschaft, Forsten und Gartenbau)

Anpassung an die Änderung in Artikel 5 Nummer 6 (Änderung § 172c Absatz 1a SGB VII).

§ 172c Absatz 1a SGB VII ermöglicht den Unfallversicherungsträgern, und damit auch der landwirtschaftlichen
Berufsgenossenschaft, die Anlage eines begrenzten Anteils des Deckungskapitals für Altersrückstellungen, ins-
besondere von Dienstordnungs-Angestellten, in Aktien. Um die Bildung von Altersrückstellungen bei der Sozi-
alversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau zu vereinheitlichen, soll diese Anlagemöglichkeit mit
der vorliegenden Änderung auch für die Bildung der Altersrückstellungen in der landwirtschaftlichen Kranken-
versicherung und der Alterssicherung der Landwirte eröffnet werden.

Zu Nummer 5 (Artikel 12a – neu – Änderung des Arbeitszeitgesetzes)

Mit der Änderung des Arbeitszeitgesetzes wird die Grundlage zur Umsetzung der Richtlinie 2014/112/EU des
Rates der Europäischen Union vom 19. Dezember 2014 über die Regelung bestimmter Aspekte der Arbeitszeit-
gestaltung in der Binnenschifffahrt (Binnenschifffahrtsrichtlinie) geschaffen. Die Binnenschifffahrtsrichtlinie ent-
hält die Vereinbarung der europäischen Sozialpartner mit europaweiten Mindestregelungen zur Gestaltung der
Arbeitszeit in der gewerblichen Binnenschifffahrt und weicht in unterschiedlichen Punkten von der europäischen
Richtlinie 2003/88/EG über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung (Arbeitszeitrichtlinie) ab. Die Arbeits-
zeitrichtlinie wurde für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen durch das Arbeitszeitgesetz in das nationale Recht
umgesetzt. Aufgrund der umfangreichen Abweichungen der Binnenschifffahrtsrichtlinie gegenüber dem gelten-
den deutschen Recht soll die Umsetzung der Binnenschifffahrtsrichtlinie statt im Arbeitszeitgesetz in einer ge-
sonderten Verordnung erfolgen. Dies dient der Rechtsklarheit für die Anwendung. Dementsprechend ist die gel-
tende Regelung in § 21 für die Binnenschifffahrt zu ändern und eine entsprechende Ermächtigungsgrundlage ein-
zufügen. Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes ergibt sich für die Änderung des Arbeitszeitgesetzes aus Ar-
tikel 74 Absatz 1 Nummer 12 des Grundgesetzes (Arbeitsrecht einschließlich des Arbeitsschutzes).

Erfüllungsaufwand

Für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Verwaltung entsteht kein Erfüllungsaufwand.

Drucksache 18/9088 – 16 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Die Binnenschifffahrtsrichtlinie enthält zwei Vorschriften, die nach der Umsetzung durch die geplante Verord-
nung Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft auslösen: die Aufzeichnungspflicht in § 12 des Anhangs (Sozialpart-
nervereinbarung) der Richtlinie sowie die Gesundheitsuntersuchungen auf Wunsch der Arbeitnehmer und Arbeit-
nehmerinnen in § 14 des Anhangs. Dieser Erfüllungsaufwand ist nur schwer zu schätzen. Nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes (2015, Fachserie 8, Reihe 4, Tabelle 5.1) gibt es in der Binnenschifffahrt 5.153 Mit-
glieder des fahrenden Personals, davon 803 Schiffseigner und mithelfende Familienangehörige. Hieraus ergibt
sich eine Zahl von 4.350 betroffenen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen.

Unter der Annahme, dass die 4.350 Beschäftigten ihre Arbeitszeitaufzeichnungen selbst führen und der Arbeitge-
ber die Aufzeichnungen in geeigneten Abständen überprüft, werden ein Zeitaufwand von drei Minuten täglich an
211 Arbeitstagen und (nach der Lohnkostentabelle Wirtschaft, 2011, Wirtschaftsabschnitt H -Verkehr und Lage-
rei, Niedriges Lohnniveau) Lohnkosten von 18,80 Euro/Stunde angenommen. Hieraus ergibt sich ein Erfüllungs-
aufwand von rund 860.000 Euro pro Jahr. Tatsächlich dürfte der zusätzliche Aufwand erheblich geringer sein, da
etwa in der Rheinschifffahrt bereits Arbeitszeitaufzeichnungen vorgeschrieben sind (§ 3.13 Rheinpersonalverord-
nung).

Erfahrungsgemäß werden Gesundheitsuntersuchungen auf Wunsch der Beschäftigten nur in geringem Umfang
angenommen und sind daher kaum quantifizierbar (vgl. Begründung Erste Verordnung zur Änderung der Ver-
ordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, Bundesrats-Drucksache 327/13, S. 21). Unter der Annahme, dass
jährlich 10 Prozent der 4.350 Beschäftigten die Gesundheitsuntersuchung auf Kosten des Arbeitgebers nutzen
und pro arbeitsmedizinischer Vorsorge ein Aufwand in Höhe von ca. 100 Euro in Ansatz gebracht wird (ebenda,
S. 21), errechnet sich ein Erfüllungsaufwand von 43.500 Euro pro Jahr.

Zu Nummer 1 (§ 21)

Die aktuelle Fassung des Arbeitszeitgesetzes enthält bisher in § 21 Sondervorschriften für die Binnenschifffahrt.
Eine Ermächtigungsgrundlage für den Erlass einer Verordnung zur Arbeitszeitgestaltung in dieser Branche ist
bisher nicht vorgesehen.

Der neue § 21 Absatz 1 sieht dementsprechend vor, dass der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates
die Möglichkeit eingeräumt wird, durch Verordnung umfassend die Regelungen des Arbeitszeitrechts von Arbeit-
nehmern und Arbeitnehmerinnen, die als Mitglied der Besatzung oder des Bordpersonals an Bord eines Fahrzeugs
in der Binnenschifffahrt beschäftigt sind, zu treffen. In diesem Rahmen können die notwendigen Bedingungen
für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz, einschließlich gesundheitlicher Untersuchungen, für Arbeitnehme-
rinnen und Arbeitnehmer auf Binnenschiffen sowie für den Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe bestimmt werden.
Ein Rückgriff auf das Arbeitszeitgesetz ist somit nur für die verwaltungsrechtlichen Regelungen und die Bußgeld-
und Strafvorschriften notwendig. Die Verordnung wird neben anderen binnenschifffahrtsrechtlichen Vorschriften
bestehen, in denen aus verkehrssicherheitstechnischen Gründen Ruhezeitvorschriften geregelt sind. Insoweit fin-
det die jeweilige Vorschrift mit den strengeren Vorgaben Anwendung.

Die Regelung schließt alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen der Besatzung und des Bordpersonals ein. Be-
satzung ist die (nautische) Decksmannschaft und das Maschinenpersonal, also diejenigen, die für den Betrieb des
Schiffes tätig sind. Bordpersonal sind alle Beschäftigten an Bord eines Fahrgastschiffes, die nicht zur Besatzung
gehören. Es schließt neben dem Verpflegungs-, Bedienungs- und Krankenpflegepersonal unter anderem auch
Personal zur Betreuung und Unterhaltung von Passagieren und Passagierinnen ein.

Besatzungsmitglieder und Bordpersonal im Sinne des Gesetzes sind auch zu ihrer Berufsbildung Beschäftigte. Zu
ihrer Berufsbildung beschäftigt sind Auszubildende im Ausbildungsberuf „Binnenschiffer/-in“ oder in anderen
Ausbildungsberufen, wenn die Berufsausbildung an Bord des Schiffes stattfindet. Zu ihrer Berufsbildung beschäf-
tigt sind auch Personen, die außerhalb eines Berufsausbildungsverhältnisses und eines Heuerverhältnisses an einer
Maßnahme zum Erwerb beruflicher Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder beruflicher Erfahrungen an Bord
des Schiffes teilnehmen, insbesondere Praktikanten und Praktikantinnen. Dazu gehören jedoch nicht Schüler und
Schülerinnen, die im Rahmen landesrechtlicher Vorschriften ein Praktikum an Bord absolvieren.

Der neue § 21 Absatz 2 bestimmt, dass die bisherigen Sondervorschriften für die Binnenschifffahrt weiterhin
Anwendung finden, soweit die Bundesregierung von der Möglichkeit eine Verordnung zu erlassen keinen Ge-
brauch macht.

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 17 – Drucksache 18/9088
Zu Nummer 2 (§ 22)

Die Änderung in § 22 Arbeitszeitgesetz ermöglicht, dass der Verstoß eines Arbeitgebers gegen bestimmte Vor-
gaben einer Verordnung nach § 21 Absatz 1 Arbeitszeitgesetz zu einer Bußgeldahndung führen kann.

(Artikel 12b – neu – Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes)

Die Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes dient der Umsetzung der Richtlinie 2014/112/EU des Rates der
Europäischen Union vom 19. Dezember 2014 über die Regelung bestimmter Aspekte der Arbeitszeitgestaltung
in der Binnenschifffahrt (Binnenschifffahrtsrichtlinie). Die Binnenschifffahrtsrichtlinie enthält die Vereinbarung
der Sozialpartner mit europaweiten Mindestregelungen zur Gestaltung der Arbeitszeit in der gewerblichen Bin-
nenschifffahrt. Für Regelungen der Arbeitszeit- und Ruhezeiten für Jugendliche verweist § 11 Absatz 1 der Sozi-
alpartnervereinbarung auf die Bestimmungen der Richtlinie 94/33/EG über den Jugendarbeitsschutz, die durch
das Jugendarbeitsschutzgesetz in nationales Recht umgesetzt wurde. § 12 der Sozialpartnervereinbarung schreibt
auch für Jugendliche Aufzeichnungen über die tägliche Arbeits- oder Ruhezeit vor. Diese Aufzeichnungspflicht
soll durch die Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes umgesetzt werden. Die Gesetzgebungskompetenz des
Bundes ergibt sich für die Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes aus Artikel 74 Absatz 1 Nummer 12 des
Grundgesetzes (Arbeitsrecht einschließlich des Arbeitsschutzes).

Erfüllungsaufwand

Für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Verwaltung entsteht kein Erfüllungsaufwand.

Um den Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft zu berechnen, ist es erforderlich, die Zahl der Jugendlichen in der
Binnenschifffahrt zu ermitteln. Diese Zahl wird wegen der geringen Fallzahl vom Statistischen Bundesamt nicht
ausgewiesen. Es ist aber davon auszugehen, dass jugendliche Beschäftigte auf Binnenschiffen in aller Regel Aus-
zubildende sind. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt gibt es derzeit 360 beste-
hende Ausbildungsverhältnisse. Nach dem Mikrozensus 2014 liegt der Anteil Jugendlicher an allen Auszubilden-
den bei 13,3 Prozent. Diesen Anteil auf die Binnenschifffahrt übertragen, ergibt eine Zahl von 48 Jugendlichen.

Unter der Annahme, dass die 48 Jugendlichen ihre Arbeitszeitaufzeichnungen selbst führen und der Arbeitgeber
die Aufzeichnungen in geeigneten Abständen überprüft, werden ein Zeitaufwand von drei Minuten täglich an 211
Arbeitstagen und (nach der Lohnkostentabelle Wirtschaft, 2011, Wirtschaftsabschnitt H -Verkehr und Lagerei,
Niedriges Lohnniveau) Lohnkosten von 18,80 Euro/Stunde angenommen. Hieraus ergibt sich ein Erfüllungsauf-
wand von rund 9.520 Euro pro Jahr. Tatsächlich dürfte der zusätzliche Aufwand erheblich geringer sein, da zum
Beispiel in der Rheinschifffahrt bereits Arbeitszeitaufzeichnungen vorgeschrieben sind (§ 3.13 Rheinpersonalver-
ordnung).

Zu Nummer 1 (§ 20)

Die aktuelle Fassung des Jugendarbeitsschutzgesetzes enthält in § 20 Sondervorschriften für die Beschäftigung
Jugendlicher in der Binnenschifffahrt. Diese Regelungen werden im neuen Absatz 1 unverändert beibehalten.

Eine Aufzeichnungspflicht für die täglichen Arbeits- oder Ruhezeiten ist bisher im Jugendarbeitsschutzgesetz
nicht geregelt. Diese Pflicht wird für Jugendliche in der gewerblichen Binnenschifffahrt mit den neuen Absätzen 2
und 3 eingefügt. Dabei handelt es sich um eine 1:1-Umsetzung der Bestimmungen in § 12 der Sozialpartnerver-
einbarung. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verwendet statt Ruhezeit den Begriff Freizeit (§ 13), weshalb auch die-
ser für die Aufzeichnungspflichten verwendet wird.

Die Regelung bedeutet nicht, dass der Arbeitgeber die Aufzeichnungen selber vornehmen muss. Er kann damit
auch einen Vertreter oder eine Vertreterin beauftragen oder die Aufzeichnung dem oder der Jugendlichen über-
lassen. Der Arbeitgeber bleibt aber für die vorschriftsmäßige Führung verantwortlich.

Zu Nummer 2 (§ 59)

Die Änderung in § 59 Jugendarbeitsschutzgesetz ermöglicht, dass der Verstoß eines Arbeitgebers gegen die
Pflicht zur Aufzeichnung der täglichen Arbeits- oder Ruhezeiten zu einer Bußgeldahndung führen kann.

Drucksache 18/9088 – 18 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Zu Nummer 6 (Artikel 17 – Änderung der Beitragsverfahrensverordnung)

Zu Buchstabe a (Nummer 2 – § 7)

Im Rahmen der im Auftrag des Deutschen Bundestages vorgenommenen Überprüfung, in welchen Rechtsvor-
schriften des Bundes die Anordnung der Schriftform verzichtbar ist, wird auch § 7 Absatz 4 als eine zu ändernde
Vorschrift benannt. Daher wird die bisher als Ausnahme nur in den Fällen der elektronisch unterstützten Betriebs-
prüfung bestehende Möglichkeit der Übermittlung des Prüfbescheides auf Wunsch des Arbeitgebers durch Da-
tenübertragung nun auf alle Prüfbescheide ausgedehnt. Satz 2 entspricht der bisherigen Fassung der Änderung in
Nummer 2 Buchstabe a.

Buchstabe b des Regierungsentwurfs kann durch die Zusammenfassung der bisherigen Sätze 1 und 2 in einen Satz
entfallen.

Zu Buchstabe b (Nummer 3a – neu – § 12)

Die in § 7 neu geschaffene Option einer Übermittlung des Prüfberichtes durch Datenübertragung soll auch für die
vom Arbeitgeber beauftragten Stellen und den in diesen Fällen über das Prüfergebnis zu informierenden Arbeit-
geber selber gelten. Durch den Verweis wird außerdem deutlich gemacht, dass die beauftragte Stelle in alle wei-
teren Pflichten des Arbeitgebers in Bezug auf die Sorgfalts- und Aufbewahrungspflichten eintritt.

Zu Buchstabe c (Nummer 4 – § 14)

Buchstabe a

Auf Anregung des Bundesrechnungshofes sollen die erlassenen Bußgeldbescheide zu den Verletzungen der
Melde- und Aufzeichnungspflichten in die Betriebsprüfungsdatei der Rentenversicherungsträger aufgenommen
werden. Dies führt zu einer Vereinfachung der Prüfungsvorbereitung und -durchführung, da auf die besondere
Erhebung möglicher früherer Bußgeldbescheide verzichtet werden kann und der Prüfer sofort weiß, dass er ein
besonderes Augenmerk auf diese Sachverhalte bei der Prüfung haben soll.

Buchstabe b

Entspricht der Fassung des Regierungsentwurfs.

Zu Nummer 7 (Artikel 18 – Änderung der Datenerfassungs- und -übermittlungsverordnung)

Zu Buchstabe a (Nummer 1a – neu – § 2)

Buchstabe a

Folgeänderung zu Artikel 3 Nummer 2. Mit der Einbeziehung des Zahlstellenmeldeverfahrens nach § 202 SGB V
in die DEÜV-gestützten Meldeverfahren werden die Zahlstellen Meldepflichtige.

Buchstabe b

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über den Bundesfreiwilligendienst erfolgte die Umbenennung des früheren
Bundesamtes für Zivildienst in Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Diese Umbenennung
wird nunmehr nachvollzogen.

Zu Buchstabe b (Nummer 3 – § 12)

Beseitigung eines Redaktionsversehens.

Zu Buchstabe c (Nummer 8 – § 36)

Durch die Ergänzung des Absatzes 4 wird klargestellt, dass für alle nicht aufgeführten weiteren Meldeverfahren
die Federführung für die Erstellung der Kernprüfprogramme beim Spitzenverband Bund der Krankenkassen liegt.
Das sind zum Beispiel das Meldeverfahren nach § 107 SGB IV oder das Zahlstellenmeldeverfahren. Darüber
hinaus wird geregelt, dass für die spezifischen Meldungen an die berufsständischen Versorgungseinrichtungen
deren Bundesarbeitsgemeinschaft an der Erstellung der Gemeinsamen Grundsätze zu beteiligen ist.

Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 19 – Drucksache 18/9088
Zu Buchstabe d (Nummer 8a – neu – § 40)

Buchstabe a

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über den Bundesfreiwilligendienst erfolgte die Umbenennung des früheren
Bundesamtes für Zivildienst in Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Diese Umbenennung
wird nunmehr nachvollzogen.

Buchstabe b

Redaktionelle Anpassung an die Aufhebung des § 34 durch das 5. SGB IV-Änderungsgesetz.

Buchstabe c

Redaktionelle Anpassung an die Umbenennung der Datenstelle der Rentenversicherung.

Zu Buchstabe e (Nummer 9)

Redaktionelle Anpassung an Buchstabe d (Nummer 8a – § 40).

Zu Nummer 8 (Artikel 23 – Inkrafttreten)

Artikel 4 Nummer 10 regelt Änderungen am automatisierten Verfahren zur Aufnahme von Leistungsanträgen bei
Versicherungsämtern und Gemeindebehörden (eAntrag). Der Gesetzentwurf sieht vor, dass diese Regelung erst
zum 1. Juli 2017 in Kraft treten soll, da für die Umstellung ein längerer technischer Vorlauf benötigt wird.

Einem Änderungsvorschlag der Bundesländer folgend wird das Inkrafttreten der Änderung von § 151a SGB VI
auf den Tag nach der Verkündung vorverlegt.

Zwar ist es zutreffend, dass zur Realisierung der vorgeschlagenen Änderungen zum einen programmtechnische
Anpassungen und zum anderen eine aufsichtsrechtliche Genehmigung erforderlich ist, für die praktische Umset-
zung stellt ein früheres Inkrafttreten jedoch kein Problem dar, da die Erweiterung grundsätzlich erst zu dem Zeit-
punkt bereitgestellt werden kann, ab dem die aufsichtsrechtliche Genehmigung für den Einsatz des Verfahrens
zur Verfügung steht. § 151a SGB VI regelt lediglich die Zulässigkeit des Datenabrufs, eine gesetzliche Verpflich-
tung, den erweiterten Datenkatalog ab einem bestimmten Zeitpunkt zu nutzen, besteht nicht.

Gleichzeitig wird mit einer Vorverlegung des Inkrafttretens gewährleistet, dass bei der im Frühjahr 2017 stattfin-
denden nächsten turnusmäßigen Aufsichtsprüfung die neue Rechtslage zu Grunde liegen kann.

Artikel 7a tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft, um bereits bei der Konzepterstellung durch die Sozialver-
sicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau die geänderten Anlagemöglichkeiten berücksichtigen zu
können.

Artikel 12a tritt, wie Artikel 11 und 12, am Tag nach der Verkündung in Kraft. Hierdurch wird sichergestellt, dass
die Bundesregierung die Möglichkeit hat, eine Verordnung zum 1. Januar 2017 zu erlassen. Die Änderungsarti-
kel 6a und 12b treten, wie die sonstigen Regelungen im Gesetzentwurf, zum 1. Januar 2017 in Kraft.

Berlin, den 6. Juli 2016

Gabriele Hiller-Ohm
Berichterstatterin

Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de

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