Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 08.06.2016, Az. 2 StR 90/16

2. Strafsenat | REWIS RS 2016, 10246

Tags hinzufügen

Sie können dem Inhalt selbst Schlagworten zuordnen. Geben Sie hierfür jeweils ein Schlagwort ein und drücken danach auf sichern, bevor Sie ggf. ein neues Schlagwort eingeben.

Beispiele: "Befangenheit", "Revision", "Ablehnung eines Richters"

QR-Code

Entscheidungstext


Formatierung

Dieses Urteil liegt noch nicht ordentlich formatiert vor. Bitte nutzen Sie das PDF für eine ordentliche Formatierung.

PDF anzeigen

ECLI:DE:BGH:2016:090616B2STR90.16.0

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS
2 StR 90/16
vom
9. Juni
2016
in der Strafsache
gegen

wegen Vergewaltigung u.a.

-
2
-
Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundes-anwalts
und nach Anhörung des Beschwerdeführers
am 9. Juni
2016 gemäß §
349 Abs.
2 und 4, §
354 Abs.
1b Satz
1 StPO beschlossen:

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landge-richts Aachen vom 23.
Oktober 2015 aufgehoben, soweit die Bildung einer Gesamtstrafe mit den Geldstrafen aus dem Straf-befehl des Amtsgerichts Aachen vom 30.
November 2012 un-terblieben ist, mit der Maßgabe, dass eine nachträgliche ge-richtliche Entscheidung über die Gesamtstrafe nach den §§
460, 462 StPO zu treffen ist.
2. Die weiter gehende Revision wird als unbegründet verworfen.
3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tra-gen.

Gründe:
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Vergewaltigung in Tatein-heit mit Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten hat in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang einen geringfü-gigen Teilerfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des §
349 Abs.
2 StPO.

1
-
3
-
Der Strafausspruch begegnet insoweit durchgreifenden rechtlichen Be-denken, als die Bildung einer (nachträglichen) Gesamtstrafe unter Einbezie-hung der im Strafbefehl des Amtsgerichts Aachen am 30.
November 2012 ver-hängten Einzelgeldstrafen unterblieben ist.
Das Landgericht hat nach §§
55 Abs.
1 Satz
1, 53 Abs.
2 Satz
2 StGB unter anderem deshalb davon abgesehen, eine Gesamtstrafe mit den Geldstra-fen aus der Vorverurteilung zu bilden, weil dies
für den Angeklagten hier zu
einem längeren Freiheitsentzug und damit zu einem höheren Strafübel führen würde.
Mit dieser Begründung durfte das Landgericht im Rahmen der Gesamt-strafenbildung nicht von der Einbeziehung der in dem Strafbefehl verhängten Geldstrafen absehen.
Der Angeklagte ist nach den Feststellungen arbeits-
und vermögenslos. Zuletzt leistete er Sozialstunden ab, um die Vollstreckung von Ersatzfreiheits-
. Zwei Geldstrafen von 40 bzw. 140 Tagessätzen sind entsprechend vollständig voll-streckt; die Gesamtgeldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 15

i-lung vom 30.
November 2012 sowie eine weitere Geldstrafe sind hingegen erst teilweise vollstreckt.
Diese Umstände sprechen dafür, dass der Angeklagte nicht über die fi-nanziellen Mittel verfügt, um die Gesamtgeldstrafe aus der Verurteilung vom 30.
November 2012 zu zahlen. Da auch nicht ersichtlich ist, dass es ihm mög-lich ist, die Vollstreckung der Ersatzfreiheitsstrafe nach §
43 StGB weiterhin, insbesondere im Rahmen der Haft, durch freie Arbeit abzuwenden, muss davon ausgegangen werden, dass er die noch verbleibende Ersatzfreiheitsstrafe ver-2
3
4
5
6
-
4
-
büßen muss und daher -
entgegen der Auffassung der Strafkammer -
durch das Unterbleiben der Gesamtstrafenbildung benachteiligt sein kann.
Der Senat macht von der im Revisionsverfahren -
auch im
Falle einer un-terlassenen Gesamtstrafenbildung (vgl. BGH, Beschluss vom 1.
Juli 2010
-
1
StR 196/10)
-
eröffneten Möglichkeit des §
354 Abs.
1b Satz
1 StPO Ge-brauch, die Entscheidung über die nachträglich zu bildende Gesamtstrafe dem Nachverfahren gemäß §§
460, 462 StPO zuzuweisen. Die Kostenentscheidung beruht auf §
473 Abs.
4 StPO. Sie musste nicht dem Nachverfahren vorbehal-ten bleiben, weil sicher fest steht, dass die unbeschränkt eingelegte Revision des Angeklagten nur einen geringfügigen Teilerfolg hat.
Fischer Appl Eschelbach

Ott Zeng

7

Meta

2 StR 90/16

09.06.2016

Bundesgerichtshof 2. Strafsenat

Sachgebiet: StR

Zitier­vorschlag: Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 08.06.2016, Az. 2 StR 90/16 (REWIS RS 2016, 10246)

Papier­fundstellen: REWIS RS 2016, 10246

Auf dem Handy öffnen Auf Mobilgerät öffnen.


Die hier dargestellten Entscheidungen sind möglicherweise nicht rechtskräftig oder wurden bereits in höheren Instanzen abgeändert.

Ähnliche Entscheidungen

2 StR 90/16 (Bundesgerichtshof)

Unterlassene Gesamtstrafenbildung: Absehen von der Einbeziehung nicht erledigter Geldstrafen; Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe bei bestehender Arbeits- …


4 StR 513/15 (Bundesgerichtshof)


2 StR 63/06 (Bundesgerichtshof)


1 RVs 65/17 (Oberlandesgericht Hamm)


4 StR 464/13 (Bundesgerichtshof)


Referenzen
Wird zitiert von

Keine Referenz gefunden.

Zitiert

2 StR 90/16

Aktionen
Zitieren mit Quelle:

TextmarkerBETA

x

Schnellsuche

Suchen Sie z.B.: "13 BGB" oder "I ZR 228/19". Die Suche ist auf schnelles Navigieren optimiert. Erstes Ergebnis mit Enter aufrufen.
Für die Volltextsuche in Urteilen klicken Sie bitte hier.