Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 27.06.2018, Az. StB 11/18

3. Strafsenat | REWIS RS 2018, 6949

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ECLI:DE:BGH:2018:280618BSTB11.18.0

BUNDESGERICHTSHOF

HAFTBEFEHL

StB 11/18
vom
28. Juni 2018
in dem Ermittlungsverfahren
gegen

wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen

Vereinigung
u.a.

-
2
-
Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 28.
Juni
2018
auf Antrag des Generalbundesanwalts
gemäß §
304 Abs. 5 StPO beschlossen:

1.
Auf die Beschwerde des Generalbundesanwalts wird der Be-schluss des Ermittlungsrichters vom 6. April 2018
(2 BGs 204/18)
aufgehoben.
2.
Die deutsche Staatsangehörige

S.

, gebo-ren am

in R.

,
ist gemäß §
112 Abs.
1, Abs.
2 Nr.
2, §§
114,
125 Abs.
1, §
169 Abs.
1 Satz 2 StPO in Untersuchungshaft
zu nehmen.
Die Beschuldigte ist dringend verdächtig, seit Dezember 2013
bis August 2016
in Syrien und andernorts sich als Mitglied an einer
terroristischen
Vereinigung im Ausland ("Islamischer Staat" -
IS) beteiligt
zu haben, deren Zwecke und deren Tätig-keiten darauf gerichtet sind, Mord (§
211 StGB) oder Totschlag (§
212 StGB) oder Kriegsverbrechen (§§
8, 9, 10, 11 oder §
12 VStGB) zu begehen.
Verbrechen, strafbar gemäß §
129a Abs.
1
Nr.
1, §
129b Abs.
1 Sätze
1 und 2 StGB.

-
3
-
Gründe:
I.
Der Generalbundesanwalt führt gegen die Beschuldigte ein Ermittlungs-verfahren wegen des Verdachts, sich in der Zeit ab Dezember 2013 dem soge-nannten IS als Mitglied angeschlossen und sich anschließend mitgliedschaftlich betätigt zu haben (§
129a Abs.
1 Nr.
1, §
129b Abs.
1 Sätze
1 und 2 StGB). Zumindest habe die Beschuldigte mit Veröffentlichungen im Internet um Mitglie-der und Unterstützer geworben (§ 129a Abs. 5 Satz 2 StGB) bzw. durch das Übernehmen des traditionellen Rollenbildes einer Frau im radikalen Islam den IS unterstützt (§ 129a Abs. 5 Satz 1 StGB). Mit Beschluss vom 6. April 2018 hat der Ermittlungsrichter den Antrag des Generalbundesanwalts auf Anordnung der Untersuchungshaft aus rechtlichen Gründen abgelehnt. Die hiergegen ge-richtete Beschwerde des Generalbundesanwalts hat Erfolg.
II.
1. Die Beschuldigte ist der ihr zur Last gelegten Tat dringend verdächtig.
a) Nach den gegenwärtigen
Ermittlungsergebnissen ist von folgendem Sachverhalt auszugehen:
aa) Der IS ist eine Organisation mit militant-fundamentalistischer islami-scher Ausrichtung, die es sich ursprünglich zum Ziel gesetzt hatte,
einen das Gebiet des heutigen Irak und die historische Region "ash-Sham" -
die heutigen Staaten Syrien, Libanon und Jordanien sowie Palästina
-
umfassenden und auf ihrer Ideologie gründenden "Gottesstaat" unter Geltung der Sharia zu errichten und dazu die
schiitisch dominierte Regierung im Irak und das Regime des syri-schen Präsidenten Assad zu stürzen. Zivile Opfer nahm und nimmt sie bei ih-rem fortgesetzten Kampf in Kauf, weil sie jeden, der sich ihren Ansprüchen ent-1
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gegenstellt, als "Feind des Islam" begreift; die Tötung solcher "Feinde" oder ihre Einschüchterung durch Gewaltakte sieht der IS
als legitimes Mittel des Kampfes an.
Die Führung der Vereinigung, die sich mit dem Ausrufen des "Kalifats" im Juni
2014 von ISIG in IS umbenannte -
wodurch sie von der territorialen Selbst-beschränkung Abstand nahm
-
hat seit 2010 der "Emir" Abu Bakr al-Baghdadi inne. Al-Baghdadi war von seinem Sprecher zum "Kalifen" erklärt worden, dem die Muslime weltweit Gehorsam zu leisten hätten. Hinweise darauf, dass dieser zwischenzeitlich getötet wurde, konnten bisher nicht bestätigt werden. Dem "Kalifen" unterstehen ein Stellvertreter sowie "Minister" als Verantwortliche für einzelne Bereiche, so ein "Kriegsminister" und ein "Propagandaminister". Zur Führungsebene gehören außerdem beratende "Shura-Räte". Veröffentlichun-gen werden in der Medienabteilung "Al-Furqan" produziert und über die Medi-enstelle "al--Kanal und ein Internetforum nutzt. Das auch von Kampfeinheiten verwendete Symbol der Vereinigung besteht aus dem "Prophetensiegel" (einem weißen Oval mit der Inschrift: "Allah -
Rasul -
Muhammad") auf schwarzem Grund, überschrieben mit dem islamischen Glaubensbekenntnis. Die mehreren Tausend Kämpfer sind dem "Kriegsminister" unterstellt und in lokale Kampfeinheiten mit jeweils einem Kommandeur gegliedert.
Die von ihr besetzten Gebiete teilte
die Vereinigung in Gouvernements ein und
errichtete
einen Geheimdienstapparat.
Diese Maßnahmen zielten auf das Schaffen totalitärer staatlicher Strukturen. Angehörige der syrischen Armee, aber auch von in Gegnerschaft zum IS stehenden Oppositionsgruppen, auslän-dische Journalisten und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen sowie Zivilisten, die den Herrschaftsbereich des IS in Frage stellen, sahen sich der 5
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Verhaftung, Folter und der Hinrichtung ausgesetzt. Filmaufnahmen von beson-ders grausamen Tötungen wurden mehrfach vom ISIG bzw. IS zu Zwecken der Einschüchterung veröffentlicht. Darüber hinaus begeht die Vereinigung immer wieder Massaker an Teilen der Zivilbevölkerung und außerhalb ihres Machtbe-reichs Terroranschläge. So hat sie für Anschläge in Europa, etwa in Frankreich, Belgien und Deutschland, die Verantwortung übernommen.
bb) Die Beschuldigte reiste im Dezember 2013 über die Türkei in das Herrschaftsgebiet des IS in Syrien ein. In einem Brief an ihren ersten Ehemann, bei dem sie die beiden gemeinsamen Kleinkinder zurückließ,
hieß es: "Ich woll-te jemanden, den ich unterstützen konnte, wie er unsere Geschwister be-schützt. Ich musste dorthin, um zu helfen. Ich wollte auch dorthin mit der Hoff-nung, den ehrenvollen
Tod einer Shahida zu erlangen."
Gleich nach ihrer An-kunft in Syrien wurde ihr der ihr unbekannte IS-Kämpfer

Ay.

, der als "Amir" Befehlsgewalt über bislang nicht weiter ermittelte Kampfeinheiten
ausübte,
als Ehemann vermittelt. Die Beschuldigte lebte mit Ay.

nach is-lamischem Ritus und zwei dort geborenen Kindern in vom IS kontrollierten Ge-bieten in Syrien und später im Irak.
Der IS alimentierte die Eheleute mit monat-lich 100 US-Dollar
und
wies ihnen
fortlaufend
verschiedene Unterkünfte, darun-ter auch eine Villa,
zu, wofür sie kein Entgelt zu entrichten hatten, und zwar zu-nächst in Haritan, danach im Februar 2014 in Raqqa, Manbidsch
und
wieder Raqqa ab Juli 2014.
Eine Aufgabe der Beschuldigten bestand darin, ihren Ehemann zu ver-sorgen und einzukaufen. In Haritan war die Beschuldigte mit anderen Frauen in einem Frauenhaus untergebracht. Als Gegner des IS dieses Gebäude umstell-te, wies der "Emir"
drei Frauen
an, die umgelegten Sprengstoffgürtel zu zünden, falls die Gegner in das Innere des Gebäudes gelangen sollten.
Dies beschrieb 7
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die Beschuldigte in ihrem Blog "h.

.com"
mit den Worten: "Als der Tag kam, als wir das Haus verlassen sollten laut J.

, und die Frauen sich weigerten,
sollten wir in den Keller gehen und darauf warten, was passiert. Sollten sie an den Brüdern vorbeikommen und ins Haus gelangen, sollten wir unsere Sprenggürtel nutzen. Wir hatten drei."
Die Aufnahme in einer Unterkunft nach der Flucht aus Haritan kommentierte die Beschuldigte in ihrem Internetblog "b.

-
Dies ist eine Seite einer
Muhajira im islamischen Staat"
am 2. Juni 2016 mit den Worten: "Und in diesem offenen Wohnzimmer schlief ich mit anderen Schwestern."
Am selben Tag veröffentlichte die Beschuldigte ein Foto eines Revolvers mit offenbar gefülltem Magazin und schrieb dazu, dass dies ein Geschenk ihres Mannes sei, der ihr gezeigt habe, wie man die Waffe auseinandernimmt, reinigt und wieder zusammenbaut. Auf einem weiteren am 8. August 2014 eingestell-ten Bild waren neben dem Revolver zwei Handfeuerwaffen mit Tragegurt zu sehen. Dazu schrieb die Beschuldigte unter der Überschrift "Meine drei Babies": "Die Uzi besitz ich nicht mehr (das ist die in der Mitte). Links meine Kalas und rechts meine Makarov."
Am 28.
Mai 2016 und 2.
Juni 2016 bezeichnete die Beschuldigte den IS als besten Staat, der zurzeit existiere, weil er "fest auf dem Tauhid" gegründet sei, keine
Kompromisse mache und dafür Sorge trage, dass das "Gesetz von Allah" vollständig angewendet werde.
Am 6.
Juni 2016 rechtfertigte die Beschuldigte, der zwischenzeitlich vom IS weitere Blogeinträge untersagt worden waren,
über ihren
Telegram-Account Enthauptungen durch den IS, verwies auf derartige Rituale zurzeit des Prophe-9
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ten und führte verschiedene "Schlachten" an, bei denen alle "feindlichen Krie-ger" im Namen des Islam enthauptet worden seien.
In ihrem Telegram-Account "b.

" führte die Beschuldigte am 10.
Juni 2016 aus, es sei die religiöse Pflicht aller Muslime, das Gebiet der Un-gläubigen ("Dar-ul-Kufr") zu verlassen und in das Herrschaftsgebiet des Islam ("Dar-ul-Islam") zu übersiedeln. Es sei "eine gefährliche große Sünde", freiwillig das islamische Herrschaftsgebiet zu verlassen.
Beim ersten Aufenthalt in Raqqa sah die Beschuldigte bei einer Autofahrt mit Ay.

sechs abgetrennte und auf einem Zaun aufgespießte Köpfe mut-maßlich von Angehörigen des Assad-Regimes. Dies kommentierte die Be-schuldigte am 8. April 2014
unter ihrem Blog-account "U.

" mit der Überschrift:
"Das Köpfchen ab".
Zu Hinrichtungen ließ sich die Be-schuldigte von ihrem Mann hinführen, der für sie eine Gasse bildete.
Während des zweiten Aufenthalts in Raqqa wurde Ay.

als Befehlshaber in Homs eingesetzt.
Nach dem zweiten Aufenthalt in Raqqa
wurde Ay.

in den Irak, und zwar nach Tal Afar und anschließend Mosul versetzt.
Die Beschuldigte musste ihm in diese Kriegsgebiete folgen
und innerhalb Mosuls dreimal umziehen.
Als Ay.

am 7. Dezember 2016 fiel, wurde die Beschuldigte in einem Frauen-haus untergebracht. Danach lebte sie
von Januar bis Mitte August
2017 in Tal Afar. Sie sah sich als
Mitglied eines "Katiba", einer Gruppe, für deren Versor-gung ein "M.

" verantwortlich
war. Der "Emir" vor Ort wollte sie mit einem IS-Kämpfer verheiraten.
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-

Im September 2017 wurde die Beschuldigte bei Rückeroberung der Stadt Tal Afar
von kurdischen Sicherheitskräften

zusammen mit an-deren Frauen, die ebenfalls mit IS-Kämpfern verheiratet waren, festgenommen. Mehrere dieser Frauen trugen einen Sprengstoffgürtel; eine löste ihren sogar aus. Die Beschuldigte verfügte über eine Pistole. Sie
befand sich
seit dem 23.
September
2017 im Erbiler Counter Terrorism Department (Kurdistan) in Haft.
Derzeit ist sie nach Deutschland zurückgekehrt.
b)
Der Tatverdacht beruht im Wesentlichen auf den teilgeständigen An-gaben der Beschuldigten in ihrer ausführlichen verantwortlichen Vernehmung vom 23. April 2018. Die unter ihren Internetblogs veröffentlichten Beiträge hat
sie
ebenfalls nicht in Abrede
gestellt. Die Angaben der Beschuldigten, die selbst einschätzt, dass sie "für knapp vier Jahre beim ´Daesh`"
war und über ihren Mann "in den IS gerutscht"
sei, werden durch den Bericht der

Aya.

aus F.

auf Seiten 55
-
59
in
ihrem Buch "M.

" bestätigt. Danach er-
lebte Aya.

die Beschuldigte als "auch eine so hundertprozentig Überzeugte, wie ich sie in Syrien kaum ein zweites Mal getroffen habe".
2. Danach hat sich die Beschuldigte mit hoher Wahrscheinlichkeit als Mitglied an einer terroristischen Vereinigung im Ausland beteiligt (§ 129a Abs.
1 Nr.
1, § 129b Abs. 1 Sätze 1 und 2 StGB):
a) Die mitgliedschaftliche Beteiligung setzt eine gewisse formale Einglie-derung des Täters in die Organisation voraus. Sie kommt nur in Betracht, wenn der Täter die Vereinigung von innen und nicht lediglich von außen her fördert. 15
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Insoweit bedarf es zwar keiner förmlichen Beitrittserklärung oder einer förm-lichen Mitgliedschaft. Notwendig ist aber, dass der Täter eine Stellung innerhalb der
Vereinigung einnimmt, die ihn als zum Kreis der Mitglieder gehörend kenn-zeichnet und von den Nichtmitgliedern unterscheidbar macht. Dafür reicht allein die Tätigkeit für die Vereinigung, mag sie auch besonders intensiv sein, nicht aus; denn ein Außenstehender wird nicht allein durch die Förderung der Verei-nigung zu deren Mitglied. Die Mitgliedschaft setzt ihrer Natur nach eine Bezie-hung voraus, die einer Vereinigung nicht aufgedrängt werden kann, sondern ihre Zustimmung erfordert. Ein auf lediglich einseitigem Willensentschluss be-ruhendes Unterordnen und Tätigwerden genügt nicht, selbst wenn der Betref-fende bestrebt ist, die Vereinigung und ihre kriminellen Ziele zu fördern. Die Annahme einer mitgliedschaftlichen Beteiligung scheidet daher aus, wenn die Unterstützungshandlungen nicht von einem einvernehmlichen Willen zu einer fortdauernden Teilnahme am Verbandsleben getragen sind (siehe nur BGH, Urteil vom 14. August
2009 -
3
StR
552/08, BGHSt 54, 69, 113 mwN; Beschluss vom 13. September 2011 -
StB 12/11, NStZ-RR 2011, 372 f.).
b) Anders als im Sachverhalt, welcher dem Beschluss des Senats vom 22.
März 2018 (StB 32/17, NStZ-RR 2018, 206) zugrunde lag, belegen die vor-stehend geschilderten Umstände die Eingliederung der Beschuldigten in den IS. Die Beschuldigte reiste allein in das Hoheitsgebiet des IS, heiratete dort ein
hö-herrangiges
IS-Mitglied und ließ sich vom IS Unterkünfte und Geld zuweisen. Sie fügte sich im gesamten Zeitraum den Anweisungen ihres
mit Befehlsgewalt ausgestatteten
Ehemannes und anderer
örtlicher Befehlshaber. Als Westeuro-päerin erkennbar, zeigte sie vor Ort in Syrien und im Irak ihre bewusste Ent-scheidung für die Erweiterung des "Staats"volkes des IS. Mit ihren -
vom IS überwachten -
Blogeinträgen, insbesondere dem vom 10.
Juni 2016, forderte die Beschuldigte Gleichgesinnte
in Europa
auf, ebenfalls in das Hoheitsgebiet 19
-
10
-
des IS einzureisen
und sich dieser Vereinigung anzuschließen. Dies alles lässt auf eine einvernehmliche Aufnahme in den IS schließen.
Vor diesem Hinter-grund sind auch für sich genommen "legale" Tätigkeiten der Beschuldigten als Beteiligungsakte zugunsten der Vereinigung zu werten (st. Rspr.;
siehe nur BGH, Beschlüsse vom 14. Juli
2016 -
3 StR
23/16, BGHR StGB § 129a Abs. 1 Beteiligung als Mitglied 1; vom 9. Juli 2015 -
3
StR
537/14, BGHSt 60,
308, 314).
Die Handlungen der Beschuldigten gingen über alltägliche Verrichtungen im Zusammenleben mit ihrem Ehemann nach islamischen Recht deutlich hin-aus, was sich nicht nur durch ihre Blogeinträge, sondern auch durch ihre erklär-te Bereitschaft, gegnerische Kämpfer mit Sprengstoffgürteln anzugreifen sowie ihre Befürwortung des Umgangs mit Schusswaffen ("meine Babies") zeigt. Dass sie darüber hinaus auch mit einem Vereinigungsmitglied zusammenlebte, aus der Beziehung herrührende Kinder austrug und in dieser Beziehung auch für die Erfüllung "häuslicher Pflichten" zuständig war (vgl. insoweit BGH, Beschluss vom 22. März 2018 -
StB 32/17, NStZ-RR 2018, 206), lässt den dringenden Tatverdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nicht wieder entfallen.
c) Ob die Beschuldigte zudem dringend verdächtig ist, tatsächlich
die Gewalt über Kriegswaffen ausgeübt zu haben (§ 22a Abs. 1 Nr. 6 Buchst. a KWKG)
oder diese in der Verfügungsgewalt ihres Ehemannes verblieben und sie mithin diese für ihre Blogeinträge nur zur Schau stellte, bleibt dem weiteren Ermittlungsverfahren vorbehalten. Ein solches Waffendelikt
stünde
zu der vor-genannten Gesamtheit der sonstigen mitgliedschaftlichen Beteiligungsakte je-denfalls in Tatmehrheit (siehe nur BGH, Beschlüsse
vom 9.
Juli 2015
-
3
StR
537/14, BGHSt 60, 308, 311 f., 318 ff.;
vom 6.
Oktober 2016 -
AK 52/16 juris, Rn. 30 -
32;
vom 19.
April 2017 -
StB
9/17, juris Rn.
23).

20
-
11
-
d) Deutsches Strafrecht ist anwendbar.
aa) Die
Beschuldigte ist deutsche Staatsangehörige (§
129b Abs. 1 Satz
2 Variante 2
StGB; zum Strafanwendungsrecht
siehe BGH,
Beschluss vom 6. Oktober 2016 -
AK
52/16, juris Rn. 33 ff.).
bb) Die nach § 129b Abs. 1 Sätze 2 und 3 StGB erforderliche Ermächti-gung zur strafrechtlichen
Verfolgung von Straftaten der
Beschuldigten im Zu-sammenhang mit der Vereinigung des IS
liegt vor.
3. Es bestehen die Haftgründe der Fluchtgefahr (§ 112 Abs. 2 Nr. 2 StPO) und der Schwerkriminalität (§ 112 Abs. 3 StPO).
a) Die
Beschuldigte hat
insbesondere vor dem Hintergrund der
langjähri-gen Dauer ihrer Eingliederung
mit der Verurteilung zu einer
nicht unerheblichen Freiheitsstrafe zu rechnen. Dem davon ausgehenden Fluchtanreiz stehen keine ausreichend gewichtigen fluchthindernden Umstände entgegen. Zwar hat die die Beschuldigte -
offensichtlich derzeit durch Ay.

s Tod, die Kriegserleb-nisse und die Zustände im Frauengefängnis in Erbil beeindruckt -
angegeben, zu ihrer Mutter nach B.

ziehen zu wollen. Indes bleibt
es
ihr erklär-tes Ziel, in der Türkei zu leben. Wie ihre Ausreise im Dezember 2013 zeigt, lässt sie sich davon
auch mit Rücksicht auf
ihre Kinder nicht abhalten.
b) Die
Beschuldigte ist, wie dargelegt,
der Begehung von Straftaten nach §
129a Abs. 1, §
129b Abs. 1 StGB dringend verdächtig. Die Voraussetzungen des § 112 Abs.
3 StPO liegen auch bei der gebotenen restriktiven Auslegung dieser Vorschrift (dazu nur Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 112 Rn.
37 mwN) vor. Wie ausgeführt, besteht die Gefahr, dass die Ahndung der Tat ohne weitere Inhaftierung der
Beschuldigten vereitelt werden kann.
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12
-

c) Aus den genannten Gründen kann der Zweck der Untersuchungshaft nicht durch weniger einschneidende Maßnahmen als deren Vollzug erreicht werden (§ 116 StPO).
d) Der Haftbefehl erweist sich als verhältnismäßig
(§ 112 Abs. 1 Satz 2 StPO). Der Tatvorwurf wiegt schwer.

Ri'inBGH Dr. Spaniol ist

urlaubsbedingt gehindert,

zu unterschreiben.

Gericke Gericke Leplow
27
28

Meta

StB 11/18

28.06.2018

Bundesgerichtshof 3. Strafsenat

Sachgebiet: False

Zitier­vorschlag: Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 27.06.2018, Az. StB 11/18 (REWIS RS 2018, 6949)

Papier­fundstellen: REWIS RS 2018, 6949

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